Neue Rubrik: Übersegler

Ab heute gibt es auf sailingaroundtheworld Übersegler zum Download.

https://sailingaroundtheworld.wordpress.com/ubersegler/

 

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Wievel Seekarte braucht der Cruiser?

Die Navigation mit elektronischen Seekarten ist mittlerweile Gang und Gaebe. Ich persönlich kenne kein Cruiserboot, das nicht auf Kartenplotter, Tablet und/oder Laptops setzt. Einige wenige haben noch Seekarten als Backup dabei. Auch wir fuhren, zumindest bis Fiji, mit alten Papierseekarten als redundantes System herum. Danach waren diese aber nur mehr mit riesigem Aufwand und für teures Geld aufzutreiben, so dass wir letzten Endes darauf verzichteten.

In Mikronesien war es dann soweit. Wir kamen frohen Mutes im wunderschönen Atoll Puluwat (also am A…. der Welt) an. Jeweils zwei persoenliche Netbooks fuer die Navigation und sonstige Computerei, und zusaetzlich zwei alte Pentium 3 Schleppies als Ersatz. Eines schoenen Tages ging Christines Laptop nicht mehr, und liess sich auch nicht mehr zum Leben erwecken. Die Ersatzlaptops, die bis dahin friedlich in der Hundekoje geschlummert hatten, waren ebenfalls tot- grummel, ein halbes Jahr zuvor haben sie noch funktioniert. In Windeseile waren wir also von 4 Laptops auf nur noch einen funktionierenden Navigationscomputer runter. Eine halbe Woche spaeter machte dieser Zicken und lud nur noch ab und zu. Na prima. Schnell wurden alle Ansteuerungswegpunkte fuer die naechsten Inseln auf alle verfuegbaren Hand-GPSe uebertragen.

Gluecklicherweise hielt der letzte Laptop dann aber doch durch, drei Inseln und zwei Staaten weiter konnte dann ein Neugeraet als Ersatz angeschafft werden. Mit der Installation von Navigatrix ( http://navigatrix.net/ ), einer Linuxdistribution fuer Segler, hielt sich die Neueinrichtung des Navilaptops dann auch zeitlich im Rahmen.

Das obige Beispiel zeigt recht gut, dass es teilweise auch einmal recht schnell gehen kann mit dem Sterben von elektronischen Geraeten an Bord. Auch Ersatzlaptops sollten regelmäßig (z. B. vierteljaehrlich) ueberprueft werden.

Bis wir einen Ersatzlaptop aufgetrieben hatten, fragten wir uebrigens unter den Mitcruisern nach Papierseekarten zum Kopieren. Ein einziges Boot (von vielleicht sechs oder sieben) hatte noch welche an Bord. So konnten wir wenigstens fuer die Ansteuerung von Palau auf Papierkarten als Backup zurueckgreifen. Auch wenn wie gesagt der letzte Laptop dann doch durchhielt, es war ein sehr gutes Gefuehl noch „ein Ass im Aermel“ zu haben.

Es waere in obiger Situation wirklich von argem Vorteil gewesen, wenn wenigstens ein Uebersegler an Bord gewesen waere. Uebersegler sind Karten, welche ein grosses Gebiet abdecken und üblicherweise zur groben Reiseplanung genutzt werden. Auf langen Ueberfahrten wurde es bei uns an Bord zur schoenen Gewohnheit die Mittagsposition auf einer schoenen Uebersichtskarte einzutragen (so wie man das eigentlich seit Jahrhunderten auf saemtlichen Seeschiffen gemacht hat). Das ergibt dann einen tollen Ueberblick ueber den Reiseverlauf. Seit einem guten Jahr treiben wir uns nun aber in Gebieten herum, in denen es leider kaum Seekartengeschaefte gibt. Lediglich in Bali waere ein solches gewesen, gefunden haben wir es aber nicht.

Seit nun schon einiger Zeit bin ich im Openseamap (OSeaM) Projekt involviert ( http://openseamap.org/ ). Dort geht es darum in Wikipedia-Manier eine freie Seekarte zu erstellen, die dann fuer alle unter einer offenen Lizenz zur Verfuegung gestellt wird. Auch wenn die Openseamapkarte in den meisten Gebieten noch nicht zur Detailnavigation zu gebrauchen ist, gerade die Tiefenangaben fehlen in den Flachwasserbereichen noch voellig, so sind doch gerade Uebersegler aus
den vorhandenen Daten durchaus den kommerziell erhaeltlichen Karten ebenbuertig. Der oesterreichische Programmierer/Segler Bernhard Fischer hat mit dem SMrenderer ( http://www.abenteuerland.at/smrender/ ) ein tolles Programm geschrieben, welches aus den vorhandenen Daten eine Seekarte zeichnet. Mittels der OSeaM Daten, und den gemeinfreien Karten von http://www.naturalearthdata.com/, gelang dann eine tolle Seekarte, die sich meines Erachtens nach sehen lassen kann.

Hier mal ein Beispiel unseres aktuellen Seegebiets:

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Diese Karten koennen von jedem Fahrtgebiet der Welt erzeugt werden. Ich werde hier in Zukunft immer mal wieder neue Karten zum Download einstellen. Sie liegen im pdf Format vor und sind dafuer gedacht im DIN A2 Format ausgedruckt zu werden.

Wichtiger Hinweis:
Es sollten auch auf diesen grossmassstaeblichen Karten alle Hindernisse fuer die Navigation in irgendeiner Form vorhanden sein. Dies ist aktuell sicherlich nicht der Fall und bedarf bestimmt noch zahlreicher Korrekturen.
Hindernisse fuer die Navigation sollten entweder innerhalb der 200 m Linie liegen, als Kuestenlinie, extra Symbol (Fels etc…) dargestellt werden. Falls jemand da Schnitzer findet, so moege er mir diese bitte per Mail mitteilen. Ich werde den Fehler dann so bald als moeglich korrigieren.

Juristischer Kram:
Die Karten sind natuerlich wie ueblich nicht zur Navigation geeignet. Eine Gewaehr irgendeiner Art kann ich nicht geben. Die Karten sind aus Daten vom Openstreetmap Projekt (openstreetmap.org) und von http://www.naturalearthdata.com/. Die Daten von OSM stehen unter der ODbL, die Daten von NED sind gemeinfrei. Die Karte darf frei kopiert und weitergegeben werden (entsprechend der ODbL).

Navigation auf Langfahrt

Nachdem Mario, unser Ausbilder zum SBF- See und SRC von der Wassersportschule Chiemgau folgende Fragen hatte, gibt es mal ein paar Infos zur Navigation und zum Funken auf Langfahrt aus unserer Sicht.

„P.S.: ein Blogeintrag über das Thema „Navigation“ wäre mal cool! Ist alles digital oder gibt es wirklich auch Papierseekarten? Abl, Mw, Bw, Bs … – wie sieht es da auf Langfahrt aus? Gibts auch einen Sextanten usw.; wie sieht es mit Gezeitenmaterial aus und was ist mit dem Funken etc. …“

Ausrüstung für die Navigation:
Heutzutage hat man Vektorkarten auf dem Plotter und/oder dem Laptop. Sowohl Laptop als auch Plotter sind mehrfach redundant an Bord. Die kleinen Netbooks brauchen kaum Strom und laufen bei Überfahrten fast 24 Stunden am Tag. Plotter sind etwas robuster gebaut und vor überkommendem Wasser besser geschützt, aber bei jahrelangem Gebrauch mit Salzwasserspritzern und Tropensonne geben auch sie irgendwann den Geist auf. Laptops sind ja nicht fest installiert und können so bei schlechtem Wetter mit unter Deck genommen werden. Bei gutem Wetter sind sie in unserem Doghouse (feste Sprayhood) ausreichend geschützt. Hand- GPS sind ebenfalls mehrfach vorhanden und so sind wir hoffentlich vor Ausfall ausreichend geschützt.

Einige Cruiser navigieren seit kurzem mit Tablets. Die dortigen Navigationsprogramme bringen das Kartenmaterial schon mit und sind damit preislich unschlagbar. Wie es allerdings mit den billigen GPS- Chips offshore- außerhalb der Handynetze aussieht – kann ich nicht sagen. Evtl. kann man mit einer externen Bluetooth- GPS- Maus adäquaten Ersatz schaffen.

Ein billiger Plastiksextant ist seit Panama zusätzlich an Bord. Damit eine Mittagsposition auf einige Meilen genau zu bestimmen ist nicht schwer, erfordert aber Übung. Zeit und Muße hat man ja aber auf Überfahrten genug.

Kartenmaterial:
Auf dem Hand- GPS läuft, falls es denn kartenfähig ist, eine kostenlose und freie OpenSeaMap- Karte. Diese geben zwar keine Tiefenangaben, aber sehr akkurate Küstenlinien und oft die ein oder anderen Leuchttürme an. Manchmal sind die offiziellen Seekarten um mehrere hundert Meter verschoben. Dies war mit den OpenSeaMapkarten noch nie (!) der Fall. Bei dem Preis kann man nicht klagen.

In den Hinterhöfen des Pazifik sind die aktuellsten Seekartendaten manchmal über hundert Jahre alt. Da tut man dann gut daran, sich vor Abfahrt von den Zielhäfen einige Satellitenkarten, die man am Laptop über die offizielle Seekarte legen kann, zu basteln. Oft sieht man da einige Riffe mehr als auf den Seekarten. Auch Kartenversatz kam bei den Satellitenkarten bisher nie vor.

Papierseekarten haben bei großen Überfahrten, die länger als eine Woche dauern, noch ihren Platz an Bord. In einem Übersegler wird bei uns die Mittagsposition eingetragen. Durch dieses Ritual sieht man sehr schön seinen täglichen Fortschritt. Sonstige navigatorische Kunststücke wie Peilung von Landmarken zur Positionsbestimmung etc. sind allerdings an Bord der Thor im GPS- Zeitalter obsolet geworden und finden im Bordalltag nicht mehr statt. Ein kurzer reality check bezüglich der Genauigkeit der angezeigten Position findet immer wieder Mal „überschlagsmäßig im Kopf“ statt. Ansonsten gibt es Papierseekarten eigentlich nicht mehr. Ich kann mich aktiv lediglich an einen (!) sehr betagten Cruiser erinnern, der den Sprung zur elektronischen Seekarte nicht gemacht hat. Bei weltweiter Fahrt machen Papierseekarten sowohl aus finanzieller, als auch aus praktischer Sicht keinen Sinn mehr. Ich möchte nicht wissen, wie viele Kilo an Papierkarten man bei weltweiter Fahrt dabei haben müsste.
Ebenso sind Mißweisung, Ablenkung etc. etwas geworden was man zwar Mal im SBF- See Kurs gelernt hat, aber für unsere Navigation hier keine Rolle spielt. Den fast einzigen Zweck den der Kompass an Bord der Thor erfüllt ist folgender: Autopiloten bzw. Windselbststeueranlage werden anhand der Routen- und Tracklinie am Plotter eingestellt. So muß man sich um Sachen wie Abdrift, Stromversatz, Mißweisung etc. keine Gedanken mehr machen, da beide Linien ja „über Grund“ sind. Ist man dann auf Zielfahrt DANN sieht man auf den Kompass und merkt sich die angezeigte Zahl. Ändern sich die äußeren Bedingungen nicht, so genügt in Zukunft ein Blick auf den Kompass um zu sehen ob man noch „auf Kurs“ ist.

Gezeitenmaterial gibts heutzutage ebenfalls in Form von Computerprogrammen, wobei wir auch immer recht froh sind, wenn wir von irgendwoher eine Gezeitentabelle bekommen. Mal kurz auf einen Zettel zu gucken ist eben doch einfacher als Rechner hochfahren. Richtig relevant wurde das mit den Gezeiten eigentlich nur in einigen „hotspots“ – Panama (auf der Pazifikseite) und englischer Kanal/Bretagne. Dort gab es jeweils Tidenhub von mehreren Metern Höhe und wirklich relevante Gezeitenströme. Bei Tidenhub von ca. einem Meter und Strömungen von bis zu einem Knoten ergibt sich im Alltag eigentlich kaum eine Konsequenz. Wobei man sagen muss, das wir auf so navigatorische Husarenstücke wie z. B. Einlaufen in eine Lagune, die man bei unserem Tiefgang nur bei Hochwasser erreichen kann, verzichten. Wir hörten mal mehrere Wochen auf dem täglichen deutschen Funknetz in Vanuatu einer Schweizer Yacht zu, die in eine solche Lagune bei Springtide einlief und sich dann einen Monat lang nicht traute, da wieder raus zu segeln. War wohl auf Dauer dann doch recht langweilig da.

Womit wir dann auch schon beim letzten Punkt wären, dem Funken:

Ein VHF ist eigentlich an Bord jeder Jacht. So gefühlt halten übrigens die amerikanischen Boote – in USA gibt es meines Wissens keine Funkscheinpflicht, man kauft sich einfach ein Funkgerät und legt los- die beste Funkdisziplin. Soviel also zur Regulierungswut der deutschen Legislative.

Ein SSB Kurzwellenfunkgerät für die Langstreckenkommunikation hat hier im Pazifik natürlich einen viel größeren Stellenwert. Die, die keines haben, schielen oft neidisch auf die, die eines haben. Auf langen Strecken ist ein täglich zur festen Stunde stattfindendes Funknetz eine willkommene Unterbrechung des Tagesablaufs. Man erhält so unter anderem aktuelle Wetterinfos und gibt seine Position bekannt. Vielleicht auch ein gewisser Sicherheitsfaktor.

Viele bekommen auch Email über Kurzwelle mit dem kommerziellen Unternehmen Sailmail. Die Amateurfunker benutzen das Winlink Netzwerk und haben mehr Zeitkontingent als bei Sailmail. Amateurfunker können also mehr, auch bei schlechten Übertragungsbedingungen, emailen. Zudem entstehen keine laufenden Kosten. Die Amateurfunkprüfung ist allerdings nicht von schlechten Eltern.

Email an Bord ist nicht nur zur Kommunikation mit den Daheim-Gebliebenen wichtig, auch Wettervorhersagen werden heutzutage per email in Form von Gribfiles verschickt.

Ein LRC haben die wenigsten Cruiser, die wir kennengelernt haben.

Dieser Artikel stellt jetzt natürlich nur unsere persönlichen Erfahrungen nach zweieinhalb Jahren Langfahrtsegeln und 20.000 gesegelten Seemeilen dar und ist bestimmt nicht allgemein für alle Segler gültig. Wir haben jedoch kaum Langfahrtsegler getroffen, die anders als wir navigieren. Abhängig vom Revier und der Art des Segelns (Racing, Chartertörns, etc.) gibt es aber sicher auch noch Unterschiede.

mit den Satellitenbildern von Google Earth, die wir in OpenCPN integrieren können, sieht man jedes Riff
mit den Satellitenbildern von Google Earth, die wir in OpenCPN integrieren können, sieht man jedes Riff

Hopi

So und hier ist der dritte und fürs erste der letzte Teil der Selbstversorgerserie. Später werden in unregelmäßigen Abständen immer wieder Mal Fortsetzungen zum Thema erscheinen, meine Finger sind aber eben schon beginnend blutig und deshalb wars das erst mal.
Genussmittel:
Also mit dem Alkohol an Bord ist das ja immer so ne Sache. Mal ist er zu teuer, Mal ungenießbar, Mal hat man von der 10 Palette Dosenbier einfach die Schnauze voll. Selber brauen ist angesagt. Erste Versuche haben wir letztes Jahr in Tonga gemacht. Seinerzeit wurde Kokosbier- auf tonganisch „Hopi“ angesetzt. Hierzu vergärt man 5 Liter Kokosnusswasser mit 1 kg Zucker mit einem Päckchen Backhefe, wartet eine Woche und voila. Das Ergebnis ist durchwachsen. Bittere Note im Abgang und sehr „hefig“. Nun ja, funktioniert hat es trotzdem.

Dieses Jahr sind wir (Internet und Michael Wnuk sei Dank) dann auf ein dolles Rezept für Reiswein gestoßen. Das Ergebnis ist richtig trinkbar. Im Federweisserstadium (Österreicher nennen das „Sturm“) ist noch etwas Süße vom Zucker dabei und das ganze funktioniert als so ne Art Cocktailersatz. Fertig vergoren erhält man etwas Weißweinartiges was gekühlt gar nicht so übel schmeckt.

Hier Mal das Grundrezept:

in einer 5 Liter Plastikflasche werden folgendes angesetzt:
1 kg Zucker
0,5 kg Reis
250 gr. Rosinen
1 kleingeschnittene Limone (oder sonstige Zitrusfrucht)
1 EL Trockenhefe

Dann alles mit Wasser auffüllen, dabei ein bisschen Luft oben lassen. Den Deckel nur locker auflegen,auf keinen Fall fest zuschrauben, da die Hefe beim Gärprozess ordentlich Kohlendioxid produziert und der Behälter dann ordentlich Druck aufbaut.
Nun stellt man das Ganze einige Tage warm und schüttelt/rührt täglich um. Innerhalb der ersten Stunden sollten erste Blasen aufsteigen, falls nicht, so ist evtl. die Hefekultur zu alt und man muss nochmals Hefe zugeben.

Nach 4- 5 Tagen (je wärmer, desto kürzer ist die Gärzeit) kann schon mal probiert werden. Lässt man den gesamten Zucker vergären hört das Geblubber irgendwann auf, die Hefe sinkt zu Boden und die Flüssigkeit wird klar. Am Besten zieht man den Reiswein mittels eines Schlauches auf andere Flaschen, so stellt man sicher das möglichst wenig Hefe mit abgefüllt wird. Gut gekühlt schmeckt der Reiswein am Besten. Auch wenn wir den tonganischen „Hopi“ schon lange hinter uns gelassen haben, der Name ist geblieben, und so heißt der Reiswein nach wie vor einfach nur „Hopi“.

 

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In Ermangelung von Rosinen kann man z. B. auch kleingeschnittenen Ingwer hinzufügen-dann bekommt man eben Hopi mit Ingwergeschmack- auch nicht schlecht.

Wer hat sonst noch Brautipps und Rezepte? Immer her damit.

Fleisch einkochen

Da der Metzger des Vertrauens oft ein paar tausend Seemeilen weg ist und fertiges Corned Beef aus der Dose einiges an Tricks aus der Trick- und Gewürzkiste braucht um genießbar zu sein, gibts eigentlich nur einen Ausweg- Fleischkonserven selbst herstellen. Einkochen kann man eigentlich alles- Hackfleisch, Gulasch, Geschnetzeltes, Huhn, Schwein oder Rind.

Zuerst brät man eine gute Portion in der Pfanne an, damit diese schonmal vorschrumpft und so mehr in die jeweiligen Gläser gepackt werden kann. Die Fleischstücke sollten durchgebraten werden.

Anschliessend füllt man diese in die sauberen Einmachgläser. Es sollten noch einige Fingerbreit Platz bis oben hin sein. Die Gläser werden nun mit Fleischsud/Bratensaft und ggf. kochendem Wasser bis zur Oberkante der Fleischstücke aufgefüllt.

Wir heben immer die Gläser von Gurken, Mixed Pickles etc. auf und verwenden diese. Nur wenn die Deckel gar zu sehr angerostet sind, dann müssen neue her. Auch wenn Einmachgläser auf den ersten Blick natürlich beim Runterfallen zersplittern können, so ist bei uns im Bordalltag noch kein einziges zu Bruch gegangen. Glas ist offenbar besser als sein Ruf.

Nun wischt man nochmals die Oberkante und das Gewinde der Gläser sauber und verschliesst sie mit dem Deckel. Dabei dürfen die Gläser nicht superfest zugeschraubt werden, sie sollen das Glas nur ganz leicht berühren. Wenn nämlich beim Erhitzen der Wasserdampf nicht austreten kann, dann könnte der entstehende Überdruck die Gläser zum Platzen bringen.

Nun gibt man die Gläser ins Wasserbad im Schnellkochtopf und legt noch ein Geschirrhandtuch mit rein, so können die Gläser nicht aneinanderklappern und kaputtgehen. Die Gläser müssen nun 20 Minuten auf höchster Stufe im Schnellkochtopf („zwei Ringe“) sterilisiert werden. Anschliessend nimmt man den Topf vom Feuer und lässt ihn bei Raumtemperatur auskühlen.Der Schnellkochtopff sollte nicht mit fliessendem Wasser oder ähnlichem abgekühlt werden,da sonst auch hier die Gläser platzen könnten. Ist der Druck vollständig abgebaut, dann können die Gläser entnommen werden. Sollte sich der Deckel nicht von selbst an das Glas gesaugt haben, so schraubt man die Gläser nun händisch fest zu und wartet bis der Inhalt weiter abgekühlt ist. Ob sich nach dem Abkühlen ein Vakuum im Glas aufgebaut hat merkt man indem man auf den Deckel drückt. Er sollte bereits eingedellt sein, und beim Druck darauf sollte es keine Klackgeräusche geben. Falls sich partout kein Vakuum aufgebaut hat, dann kann man das Einkochen wiederholen, oder man verbraucht das betroffene Glas zügig innerhalb der nächsten Tage.

Die Gläser mit Vakuum sollten sich problemlos einige Monate ungekühlt halten. Falls im Laufe der Zeit eines der Gläser sein Vakuum verliert kann das verschiedene Gründe haben, allerdings ist dann auch nicht mehr ausgeschlossen das sich gasbildende Bakterien in der Konserve vermehrt haben und es besteht die Möglichkeit einer Lebensmittelvergiftung. Solche Konserven sollten deshalb entsorgt werden. Ein solcher Fall ist bei ausreichend langer Kochzeit und hinreichender Sauberkeit beim Einkochen allerdings kaum zu erwarten. Bei uns an Bord jedenfalls ist so etwas noch nicht vorgekommen.

Der Anblick der selbst eingekochten Fleischkonserven ist evtl. etwas gewöhnungsbedürftig,aber geschmacklich sind sie Corned Beef deutlich überlegen und als Zutat ein Highlight in jeder Bordküche. Spaghetti mit Bolognesesauce steht nun also nix mehr im Wege.

 

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So ein Käse

Juhuuu, endlich. Nach einigen halbherzigen, erfolglosen Versuchen Käse auf der Überfahrt von Panama auf die Marquesas herzustellen hatten wir nun endlich Erfolg. Wenn man weis wie es geht dann ist’s eigentlich recht einfach. Hier das Rezept für Segler. Was dabei herauskommt ist eine Art Ricotta oder auch Frischkäse:

15 gehäufte EL Vollmilchpulver
1 Liter kochendes Wasser
ersatzweise geht natürlich auch normale Milch
1 TL Salz
1 TL Zitronensäure (in einer halben Tasse kaltem Wasser aufgelöst)

Das gerade kochende Wasser vom Feuer nehmen und Salz sowie Milchpulver ein rühren. Die Milch sollte etwas gehaltvoller konzentriert sein als normale Milch. Das Rezept sollte aber mit normaler Milch genauso funktionieren- man muss dann beim Erhitzen nur mehr aufpassen das nix anbrennt. Ist das Milchpulver aufgelöst dann gibt man in die noch heiße Milch die Zitronensäure. Die Milch sollte dann sofort stocken. Den Stockungsprozess lässt man noch eine Weile fortsetzen- so etwa 30 Minuten, anschließend werden mit einem Löffel die festen Milchbestandteile in einen mit einem Tuch ausgekleideten Sieb geschöpft. Dort lässt man die Masse weiter abtropfen – je nachdem ob man das ganze eher cremig oder krümelig haben möchte. Fertig ist der Ricotta/Frischkäse. Das Schöpfen erledigt man am besten mit einem Schaumlöffel, oder einem kleinen Teesieb, dann schöpft man nicht sooo viel von der Molke mit rüber. Sollte sich in der Molke noch mehr Milchbestandteile befinden die sich nicht ordentlich verfestigt haben, also noch milchig sein, so kocht man die Brühe einfach nochmal auf und schon ist das ganze erneut gestockt und kann nochmals abgeschöpft werden. Zurück bleibt dann die klare, leicht grünliche Molke. Lt. Gui von der Rancho lässt sich die Molke hinterher prima fürs Brotbacken verwenden. Wer mag kann sie natürlich auch einfach trinken.

Ungewürzt kann er als Butterersatz auf dem Marmeladenbrot dienen, gewürzt mit Salz Pfeffer und frischen (oder – wer keine hat – natürlich auch getrockneten) Kräutern als Kräuterfrischkäse.
Ganz dufte ist auch die fränkische Variante mit Salz, Pfeffer und Kümmel.
Auch zum Überbacken kann man den Ricotta verwenden, einer Pizza oder einer Lasagne auf einem einsamen Atoll steht also nix mehr im Wege.

Der Frischkäse hält sich einige Tage im Kühlschrank, ist aber wahrscheinlich eh schon früher weg- wetten?

Hausaufgaben

So langsam geht es auch in Neuseeland wieder daran das Boot für die anstehenden Seemeilen fertig zu machen. Nach Unterwasserschiff und Bordwand ist nun der Innenraum dran. Als Einstieg wurden erstmal unsere Schapps in der Küche verbessert. Ständig kam einem da immer Tee, Kaffee, Ketchup und ihre Verbündeten entgegen wenn man sie bei minimalem Seegang aufgemacht hat. Jetzt kamen da ordentliche Zwischenböden mit grosszügig bemessenen Schlingerleisten rein. Da kullert so schnell nix mehr raus.

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Schon vor einigen Wochen haben wir unsere Seekoje im Salon endlich benutzbar gemacht. Die Salonbank hat zwar ausreichend Liegelänge, allerdings musste der Kopf in einem 20 cm hohen Hartholzfach liegen, was natürlich praktisch unmöglich ist, außer man schläft kamikazemäßig mit dem Kopf in Fahrtrichtung. Rumst man dann auf einen Felsen oder umhertreibende Container, dann ist mit dem sicheren Genickbruch der Überlebenskampf wenigstens schnell vorbei.
Was macht also der Seefahrende Heimwerker? Er dreht die ganze Salonbank eben um. So wird dann aus dem Kopf- ein Fussfach und alles ist Paletti. Seekoje endlich einsatzbereit, die Tage bei schlechtem Wetter auf dem Salonboden sind nu vorbei.

Mit unserer Navi-Ecke waren wir eigentlich nie zufrieden. Irgendwie soll man da wohl quer zur Fahrtrichtung mit dem Blick Richtung Bordwand sitzen, die Füße irgendwie gegen die steil ansteigende Bordwand gestemmt. In der Praxis geht das natürlich nicht, da der Fußraum natürlich komplett vollgestaut ist und man dann mit einem fast 180 Grad Twist im Oberkörper dasitzt. Kommt man ins Boot und sieht diese Navi-Ecke dann denkt man sich in etwa: „Naja, ist ja nur ein 10 Meter Kahn- klar das da irgendwo gespart werden muss.“

Vorher

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Also lange Rede kurzer Sinn, es muss was Gescheites her:

Sitz in Fahrtrichtung, ordentliches Kartenfach. Kartentisch kann ruhig kleiner sein, richtige Kartenarbeit findet heutzutage, wenn überhaupt, ja eh auf dem Salontisch statt. Im Prinzip muss da eh nur der Laptop draufpassen.

Bauanleitung:
Erstmal wird alles möglichst zerstörungsfrei entkernt.

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Danach kann man unter Verwendung möglichst vieler Originalteile eine neue Navi-Ecke bauen. So ne Art Lego für Große.

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Man muss natürlich aufpassen, dass man sich nicht ständig an irgendwelchen herumliegenden Navieckenbauteilen stösst. Wie so oft wenn man bei größeren Renovierungsarbeiten zeitgleich an Bord wohnt, so sieht es halt oft aus als ob eine Bombe eingeschlagen hätte.

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Eine Sitzbank wird aus den vorhandenen Sperrholzteilen geschnitzt. Die Sitzfläche wurde von einer Baustelle recycelt, es handelt sich um wasser- und schimmelfestes Sperrholz vom dortigen Abfallhaufen. Die Bauarbeiter dort waren wirklich super hilfreich. Die Insel Waiheke gewinnt immer mehr Pluspunkte.

Am zweiten Tag kam Anders von der schwedischen Yacht Tina rüber und hat mit Rat und Tat zur Seite gestanden (Tack sa mycket!!).

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Aus dem Holz des alten Kartenfachs entstand direkt das Neue, welches sich nun unter dem Navitisch befindet. Ursprünglich fristete unser Kartenfach unpraktischerweise unter der Sitzfläche der Salonbank sein Dasein und musste immer, wenn man Mal an den Proviant wollte, hochgewuchtet werden. Bei Seegang echt doof.

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Der alte Navitisch war zu allem Überfluss geneigt eingebaut. Das führte dazu das alles was nicht extra festgemacht war sich unter Garantie unterwegs am Salonboden wiederfand. Nun haben wir unseren Tisch schön waagerecht. Die Schlingerkante könnte gerne noch 4 cm höher sein, aber man kann halt nur mit dem arbeiten, was man zur Verfügung hat.

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Ein Stück der Tischplatte fehlt, und lackiert werden muss das Ganze auch noch, aber für drei Tage in der Anchorage schuften sieht das alles bisher IMHO recht passabel aus (Selbstbeweihräucher…). Es ist übrigens nicht im mindesten so, dass der Skip da alleine vor sich hinwurschtelt. Christine wächst bei sowas immer über sich hinaus, hilft wo sie kann und wird so langsam zur Meisterin an der Stichsäge.

Das Häufchen Holz ist von der alten Naviecke übriggeblieben:

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Weiters wurde nun endlich unser VHF auf die Verbraucherbatterie gelegt. Damit saugt dieses nicht ständig die Starterbatterie leer, wenn wir längere Passagen unter Segel unternehmen. Das hat eigentlich schon in der Biskaya genervt, aber wie so oft war der Skipper da ein Meister im Sachen vor sich her schieben. Wie auch immer, ich werde mich demnächst mal dransetzen und unseren Blister flicken… Der ist seit den Tuamotus im Eimer, wurde allerdings schonmal auf den Marquesas nachgenäht. Der gelbe Stoff ist denke ich schon recht morsch und muss ersetzt werden.

Dauert länger als gedacht um die Thor für die nächsten zwei Jahre fit zu machen, aber es macht auch irre Spaß. Wir bleiben am Ball…

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