Bald geht’s weiter

Sodelle, aus der geplanten Woche in Port Owen sind schon wieder zwei Wochen geworden und es wird Zeit, weiterzufahren.

Port Owen selbst ist im Prinzip eine Neubausiedlung direkt am Bergrivier. Eine extra angelegte Flussschleife erlaubt es den Anrainern ein Boot direkt vor dem Haus am Privatsteg festzumachen. Pipifein. Die Grundstückspreise sind verglichen mit Deutschland übrigens ein Witz. Vergleichbare Grundstücke sind in Deutschland sicherlich nur für Unsummen zu bekommen, hier kosten sie einen Bruchteil.

Die ganze Landschaft hier ist vom trockenen Klima des Westkaps geprägt. Kaum Niederschlag, trockene Gräser, niedrige Sträucher, Sanddünen, Reetgedeckte Häuser. Irgendwie erinnert das ein wenig an Hiddensee, nur nicht ganz so grün. Toll.

Jeannie und Bruce, unsere Gastgeber, ließen es sich natürlich nicht nehmen uns die Umgebung zu zeigen und die Menschen vom Westkap etwas besser kennenzulernen. Gleich am ersten Abend wurden wir in den Port Owen Yachtclub eingeführt. Nach einigen Drinks ging es dann in eine einfache Kneipe zum Burger essen. Lecker.  Weinprobe, Ausflüge nach Mykonos, einem sehr griechisch anmutendem Örtchen nahe Saldanha Bay, Grillen mit den Leuten vom Yachtclub und vieles mehr. Meinen Geburtstag feierten wir in der Draaihoek Lodge, an einem langen weißen Sandstrand gelegen. Dort gab es neben Champagner am Strand ein edles Restaurant mit köstlicher regionaler Küche. Natürlich gab es auch immer wieder tolle Abende bei Jeannie und Bruce zu Hause. Bessere Gastgeber als die Beiden können wir uns gar nicht vorstellen. Vielen, vielen herzlichen Dank dafür.

Die nächsten Tage werden wir uns nach Lüderitz in Namibia verholen. Heute hat uns dichter Nebel einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir werden berichten.

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Zwei Wochen in Kapstadt

Wir sind zwar seit 5 Tagen schon wieder weg aus Kapstadt, aber erst jetzt haben wir Zeit über unseren Aufenthalt dort etwas zu berichten. Wir hatten eigentlich kaum Zeit, die ganzen Sehenswürdigkeiten abzuklappern, da doch noch Einiges am Boot zu tun war.

Unsere kaputten Segel wurden gleich am nächsten Tag der Ankunft vom Ullmann Sails, dem hiesigen Segelmacher, abgeholt. Er würde es mit Ach und Krach schaffen, die Reparatur in seinen engen Terminplan reinzuquetschen. Nach zwei Wochen kamen dann auch prompt unsere Segel wieder zurück. Gerade Mal das Mindestmaß an Arbeitsleistung wurde erfüllt. Eigentlich dachten wir dass wenn wir unsere dreifach genähten Segel zum Nachnähen in die Reparatur geben, die Segel auch dreifach nachgenäht zurückkommen, aber da war der Segelmacher wohl anderer Meinung. Eine lumpige Naht wurde drübergenäht und so unsere Zeitknappheit bezüglich des Visums schamlos ausgenutzt. Reklamieren können wir ja nicht mehr. Sei’s drum, bis nach Hause wird es wohl jetzt halten. Das nächste Mal würden wir wohl unsere Segel zur örtlichen North Sails Filiale bringen.

Nach den vielen Motorstunden seit Richards Bay standen wieder einmal Motoröl- und Getriebeölwechsel an. Außerdem waren einige kleinere Reparaturen fällig, nachdem unser Liegeplatznachbar beim Einparken in die Thor reingefahren war. Der Havarist hatte sich übrigens richtig Klasse verhalten. Zwar waren keine großen Sachwerte zu Bruch gegangen, aber Einiges an Arbeitszeit kostete es eben doch, bis alles wieder heile war. Als Wiedergutmachung gab es dann ein fürstliches Mitbringsel aus der Stadt. Es gibt also auch noch anständige Leute.

Unser Bilge füllte sich zudem regelmäßig mit Schwitzwasser, da einfach die Wassertemperatur im Vergleich zur Außentemperatur so niedrig war. Zum Glück hatten wir das Gleiche schon einmal in Spanien erlebt und so verursachte die ungewohnt nasse Bilge wenig Aufregung bei uns.

Die Jagd nach Ersatzteilen für unseren Autopiloten dauerte ein paar Tage und war letztlich erfolglos. Bei uns verschleißt regelmäßig ein Zahnriemen, den es leider in Kapstadt nicht lagernd gab und der Versand über einen Kurierdienst hätte um ein Vielfaches mehr gekostet, als der Zahnriemen selbst. Nun gut, wir hoffen ja, dass mit dem Motoren jetzt wieder Schluss ist und wir wieder mehr Segeln können. Die Flauten in den Doldrums haben wir schon immer ausgesessen, das wird sich jetzt auch bei der letzten Äquatorüberquerung nicht mehr ändern.

Von einem befreundeten Boot konnten wir dann eine zwar gebrauchte aber noch ganz gut erhaltene AGM-Starterbatterie abstauben, die noch um Einiges besser in Schuss ist, als unsere alte Motorbatterie. Auch die Suche nach einem neuen Herdbrenner für unseren Gasherd führte leider ins Nichts. Die Brenner aus Aluguss haben mittlerweile Risse bekommen und es wäre schon gut, sie zu ersetzen. Aber wo gibt es Optimus Herdbrenner abgesehen von Skandinavien zum Nachkaufen? Oder gibt es die überhaupt noch? Da wird wohl zurück in Deutschland ein neuer Herd für die Thor fällig werden. Das hätten wir am besten schon bei der Abfahrt vor 4 Jahren machen sollen, aber das stand halt nie ganz oben auf der Liste.

Seit Richards Bay sind wir nun schon ohne Kühlschrank unterwegs. Eigentlich wollten wir uns in Kapstadt einen neuen Kühlschrank leisten, aber die Preise inkl. Einbau überstiegen dann doch ein erträgliches Maß und so werden wir den Atlantik wohl ohne Kühlung überqueren. Hier ist es noch kein Problem, die Temperaturen sind empfindlich kühl und auch zurück im Norden Europas wird das mit der Kühlung nicht so wichtig sein. Ich denke mal, dass wir auch für dieses Problem dann erst in Deutschland eine Lösung suchen werden.

Man hat irgendwie das Gefühl das man auf Weltumsegelung im Besonderen die örtlichen Baumärkte und die Eisenwarenhandlungen erkundet. Ist auch eine Art Land und Leute kennen zu lernen.

Das Kurzwellenfunkgerät haben wir noch einmal überprüft, im Prinzip sollte damit alles in Ordnung sein. Wir konnten zwar keine Daten übertragen, da war wohl der Tafelberg im Weg, aber im Prinzip waren wir mit der Station in Südafrika verbunden. Leider waren in der Marina die Bedingungen einfach nicht ideal, das zu testen. Neben all diesen vielzähligen Arbeiten mussten auch die Lebensmittelvorräte für die große Atlantiküberquerung aufgestockt werden. Bis zu den Azoren haben wir ca. 5.500 Seemeilen vor uns, noch ein langer Weg.

Dazwischen lag Christian 4 Tage mit Grippe im Bett.

Irgendwie muss man sich da nicht wundern, wo die Zeit hin verschwindet.

Kapstadt selbst ist eigentlich eine sehr schöne, fast europäisch anmutende, Stadt. Ein piekfeines Bussystem macht das Herumfahren einfach und günstig. Alles ein bisschen touristisch, man hört Deutsch an fast jeder Ecke, aber nach zwei Monaten Kwazulu-Natal ist auch das für uns eine nette Abwechslung. Die erste Leberkässemmel seit zwei Jahren, aus der Royal Bavarian Bakery, schmeckt wie daheim, ebenso die Butterbreze. Bei einem Ausflug auf den Tafelberg hat man einen tollen Ausblick auf die Stadt und das bergige Hinterland. Wegen Christians angeschlagener Gesundheit nahmen wir allerdings die Seilbahn.

Auch Robben Island wurde von uns besucht. Auf dieser Gefängnisinsel war Nelson Mandela für 18 Jahre interniert. Heute ist die gesamte Insel ein Museum. Ehemalige Häftlinge führen einen durch den Gefängniskomplex und berichten über die teilweise menschenunwürdigen Haftbedingungen wie z. B. tägliche Zwangsarbeit im Steinbruch. Gruselig, was das Apartheidsregime so alles angestellt hat.

Da die Südafrikanischen Weingüter gleich ums Eck sind, sind wir auch einen Tag auf eine Weinprobentour gefahren. Nicht verwunderlich sind die irre guten Bewertungen des Veranstalters auf Tripadvisor. Gib einer Meute von jungen Erwachsenen über den Tag verteilt lecker Weinchen in kleinen Dosen – was kann da schon schiefgehen. Eine wunderschöne Landschaft und der Besuch von fünf Weingütern in Paarl und Stellenbosch sprachen aber für sich selbst und wir genossen den Sonntag am Land.

Unsere Zeit in Südafrika ist nun fast vorbei. Die Thor ist für den Atlantik vorbereitet und wir haben uns jetzt erstmal 100 Meilen nach Norden verholt. In der kleinen Marina von Port Owen besuchen wir unsere Freunde Jeannie und Bruce, die vor einigen Monaten hier ihre zweite Weltumsegelung beendet haben. Die Einfahrt in die Flussmündung des Berg Riviers war etwas haarig. Über lange Strecken hatten wir lediglich um die 40 cm Wasser unter dem Kiel und ein kurzes Stück mussten wir sogar durch etwas Schlamm pflügen – bei Hochwasser wohlgemerkt. Der Nervenkitzel hatte sich aber doch ausgezahlt. Ein ruhiges, etwas verschlafenes Städtchen mit einer tollen Landschaft. Lila Salzwiesen so weit das Auge reicht. Die örtliche Vogelwelt besteht aus Reihern, Ibisen, Perlhühnern, Pelikanen und Flamingos. Wunderschöne Spaziergänge und Entspannung vor der nächsten großen Passage.

Hier geht es nach langer Zeit wieder einmal zu einem Fotoalbum:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157651033096798/

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Und hier noch ein paar Fotos aus Mossel Bay:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157650993571618/

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Das Kap der Guten Hoffnung

Schon den ganzen Aufenthalt in Mossel Bay kündigte sich für Anfang dieser Woche in den Grib files ein riesiges Wetterfenster an. Am Montag war es dann so weit. Die Thor scharrte schon mit den Hufen in den Startlöchern und im Morgengrauen warfen wir die Leinen los. Auf zu den Kaps. Nicht nur das Kap der guten Hoffnung bei Kapstadt, sondern auch das Kap Agulhas, der südlichste Punkt Afrikas, war zu umschiffen. Das Wetter war gut, tagsüber Knallsonne, nachts dann gelegentlich Nieselregen. Am Morgen des zweiten Tages lag das Kap Agulhas querab. Keine besonderen Vorkommnisse. In der zweiten Nacht dann, am Kap der guten Hoffnung (früher auch das Kap der Stürme genannt), schlief der Wind fast ein. Mit ca. drei Knoten dümpelten wir vorbei. Naja, besser so als anders herum. Wir waren zufrieden.

Im Laufe des nächsten Morgens frischte dann längsseits des Tafelbergs der Wind kräftig auf. Die Gegend ist berüchtigt für ihre Fallböen. Von fast Flaute frischt der Wind dann innerhalb von Sekunden auf dreißig und mehr Knoten auf. Rechtzeitig die Segelfläche zu reduzieren war Pflicht.

An der gesamten Südküste Südafrikas war das Wasser deutlich kälter als im Osten und das heißt, dass es im Wasser von Leben nur so wimmelt. Seevögel sind deutlich öfter anzutreffen als in den Tropen, aber auch Delfine, Wale, Seelöwen und Pinguine konnten wir innerhalb weniger Stunden beobachten. Ist fast wie ein Tierpark, nur eben auf dem Wasser.

Kurz bevor wir in die Hafeneinfahrt von Kapstadt einliefen, trafen  uns wieder Fallböen, diesmal von der Rückseite des Tafelbergs. Trotz der kräftigen Seitenwinde gelang uns zwar kein schönes, aber doch sicheres Anlegemanöver ohne Schäden. Die Crew von der SY Renata und Dieter von der SY Orion warteten schon am Steg. Leinen fest und Sektkorken knallen lassen. Das Kap der guten Hoffnung liegt nun hinter uns. Ab jetzt sind wir, das erste Mal seit 1,5 Jahren, wieder auf Nordkurs.

Eigentlich hatten wir uns dann auf eine geruhsame Nacht nach all der Aufregung gefreut. Der Wind pfiff weiterhin mit bis zu 40 Knoten durch den Hafen, aber wir lagen ja sicher an unserem Steg. Leider hatte sich ein französischer Segler in den Kopf gesetzt, mitten in der Nacht auch noch seinen zugewiesenen Liegeplatz – direkt neben uns – anzulaufen. Das ging dann nicht ganz ohne Schäden vonstatten, der Wind drückte ihn mit seiner ganzen Breitseite an unser Heck. Auch unsere Windsteueranlage, das wichtigste Ausrüstungsteil überhaupt, wurde touchiert. Mit Ach und Krach bugsierten wir das Boot dann in die Box. Was für ein Schreck zu nachtschlafener Zeit. Am nächsten Tag nahm ich den Windpiloten dann komplett auseinander. Uffz. Zum Glück war an keinem der Teile etwas verbogen oder irgendwelche Haarrisse aufgetaucht. Nach gründlicher Reinigung wurde alles wieder zusammengebaut. Funktioniert nun besser als vorher. Glück im Unglück. Weitere Schäden halten sich zum Glück auch in Grenzen. Hier eine angebrochene Antennenhalterung, da eine ausgerissene Öse an unserem Relingswindschutz und abgerupfte Kabel an der Solarzelle.

Entlang der suedafrikanischen Kueste

So, nach langer Warterei in Richards Bay sind wir nun ein ganzes Stueck weiter gekommen. Ueber die Etappen bis Durban und East London haben wir ja schon etwas berichtet. Ich gehe darum mal etwas mehr auf die seglerischen Aspekte unserer Reise entlang der suedafrikanischen Kueste ein, da das hier unten eben kein einfaches Segelrevier ist.

Entlang der Ostkueste Suedafrikas verlaeuft der Agulhas Strom. Das ist einer der ganz grossen Ozeanstroeme. Mit teilweise irren Geschwindigkeiten (bis 6 Knoten!) rauscht er von Nord nach Sued. Steht Wind gegen Strom, das ist bei der oertlichen Wetterlage alle 2-4 Tage der Fall, dann bauen sich im Strom irre Wellenberge auf. Wellenhoehen bis 20 Meter und mehr wurden schon berichtet. Sogar fuer die Grossschiffahrt wird das dann gefaehrlich. Fuer eine Segelyacht unserer Groesse wahrscheinlich der sichere Untergang. Gluecklicherweise erstreckt sich das Stromgebiet lediglich auf einen mehrere Seemeilen breiten Streifen seewaerts des Kontinentalschelfs. Faehrt man inner, bzw. ausserhalb, dann finden sich wieder normale Seegangsverhaeltnisse.

Mit den heutigen Wettervorhersagen ist das Ganze natuerlich noch viel einfacher, man faehrt eben nur los, wenn es Wind von Nordost hat. Erwischt man dann den Agulhasstrom, so sind Geschwindigkeiten bis 10 Knoten keine Seltenheit.

Auf der Hoehe von Richards Bay ist der Kontinentalschelf recht breit, sodass der Strom ziemlich weit draussen verlaeuft. Erst ca. 40 Meilen suedlich von Durban kommt der Strom an die 200 Metermarke heran und begleitet einen dann bis fast nach Port Elizabeth. Sollte man wider Erwarten von einem Suedsturm ueberrascht werden, dann faehrt man lt. Aussage der hiesigen Segler Richtung Land aus dem Stromgebiet heraus und dreht dann bei, bzw. versucht noch irgendwie den naechsten Hafen anzulaufen.

Irgendwie ein doofes Gefuehl in so einem starken Strom dahin zu fahren. Die Stroemungsgeschwindigkeit uebersteigt im Prinzip die Bootsgeschwindigkeit der Thor. Der Punkt ohne Widerkehr ist also gleich nach der Hafenausfahrt erreicht. Einmal im Strom ist also ein Umkehren gefuehlt unmoeglich. Ganz unmoeglich natuerlich nicht, dicht unter Land gibt es einen Gegenstrom der nach Norden setzt.

Bei Port Elizabeth wird der Kontinentalschelf sehr breit und erstreckt sich weit nach Sueden. Entlang der Suedkueste findet man dann auch nicht mehr die krassen Stroemungsverhaeltnisse wie an der Ostkueste. Ein Reststrom setzt dort mit 0,5 bis einem Knoten nach Westen. Ein grosser Stein faellt dann schon mal von einem ab. Man hat den Agulhas hinter sich gebracht.

In Port Elizabeth angekommen ging jedenfalls das Huepfen von Hafen zu Hafen weiter. Aktuell sind wir in Mossel Bay. Der Yachtclub ist recht klein und hatte gerade noch einen Platz fuer uns. Eine befreundete Yacht organisierte uns einen Platz am Pontoon, aber dieser war leider total versandet und wir sind beim Anlaufen desselben auch prompt steckengeblieben. Bloederweise war gerade Niedrigwasser bei Springtide. Wir sind gerade noch mit dem letzten Licht in den Hafen eingelaufen. Bis wir dann wieder frei waren und das Boot aufschwamm dauerte es zwei geschlagene Stunden. Gegen 23 Uhr machten wir dann laengsseits an einem Fischerboot fest. Ruehrei, Rum, Falle.

Am naechsten Morgen ergab sich ein ganz anderes Bild. Fischerboote werden entladen, lustiges Treiben am Dock. Unser Besuch beim Hafenmeister beinhaltete den in Suedafrika ueblichen Check durch die Security. Das umstaendliche Ein- und Austragen wurde hier noch um einen Alkoholatemtest (!) erweitert. Da kann man nur mit dem Kopf schuetteln. Die Ortschaft selber ist ganz famos. Hier haben wir erstmals in Suedafrika das Gefuehl in einer richtigen Stadt zu sein. Es gibt sowas wie einen Ortskern mit Hotels, Museen und Geschaeften und Hafenpromenade mit Kneipen und Cafes.

Endlich ein Stueckchen weiter

Letzten Dienstag haben wir dann wettertechnisch eine Moeglichkeit gefunden, um wenigstens nach Durban zu kommen, ca. 90 sm von Richards Bay entfernt. Zwar mussten wir die ganze Fahrt ueber motoren, aber wir freuten uns, endlich wieder voranzukommen.

Der Aufenthalt in Durban war recht kurz, gerade 3 Naechte, bevor es wieder weiterging. Ein bisschen etwas von der Stadt konnten wir uns aber trotzdem ansehen. Die Ushaka Marine World mit dem groessten Aquarium der suedlichen Hemisphaere stand  am Programm. Zwar geht man als Taucher immer mit etwas gemischten Gefuehlen in solche Anlagen, aber man muss schon sagen, dass sich die Betreiber wirklich Muehe damit gegeben haben. Uns hat es jedenfalls gefallen und unsere Gedanken waren einen Tag nicht mit dem Wettergeschehen beschaeftigt.

Der naechste Tag ging dann komplett mit dem Ausklarieren aus Durban auf. Ich glaube, dass wir das noch nicht erzaehlt haben, aber in Suedafrika muss man tatsaechlich in jedem Hafen Ein- und Ausklarieren. Und zwar das volle Programm mit Hafenbehoerde, Immigration, Zoll und nochmal zurueck zur Hafenbehoerde. Da vergeht die Zeit dann auch ganz schnell – das einzig Gute daran ist, dass es kostenlos ist.

Am Samstag in der Frueh ging es dann fuer uns weiter nach East London. Die Strecke von 262 Seemeilen schafften wir in unglaublichen 44 Stunden. Ueber lange Strecken waren wir dank des Aguhlas-Stromes mit ueber 9 Knoten unterwegs. Das machte es aber auch schwierig die Ankunft tagsueber zu planen. Bei 4 Knoten Stroemung kann man nicht einfach so beidrehen und warten bis die Sonne aufgeht. Da waeren wir an East London schon vorbei. Also eine Nachtansteuerung. Das wuerden wir in den Korallenatollen niemals machen, aber hier befindet man sich ja in wirklich grossen Haefen mit ordentlicher Beleuchtung und so war es auch ueberhaupt kein Problem, nachts anzukommen.

Eigentlich eine sehr gute Ueberfahrt, aber leider mussten wir einen neuen Schaden feststellen. Bei Fahrt unter Motor mit Nullwind ist eine Naht am Gross auf der ganzen Breite aufgegangen. Einfach so. Bei genauerer Betrachtung haben wir jetzt festgestellt, dass sich der verwendete Faden komplett aufloest. Der Segelstoff selbst ist noch gut in Schuss. Das heisst jetzt aber fuer uns, dass wir in Kapstadt unsere beiden Hauptsegel (Gross und Genua) vom Segelmacher nachnaehen lassen muessen. Zum Glueck haben wir noch das alte Gross als Reserve mit, also bis Kapstadt werden wir damit schon noch kommen.

Ein paar Tage werden wir jetzt hier in East London verbringen, bis der Wind wieder auf Ost dreht, dann geht es auch gleich weiter. Schliesslich laeuft am 10. Maerz unser Visum aus.

Afrika pur

Nachdem wir nun doch schon laenger nichts mehr geschrieben haben, gibt es endlich den langersehnten Bericht der letzten drei Wochen.

Die Reparaturarbeiten auf der Thor sind seit zwei Tagen abgeschlossen, das Wetter hat uns auch hier in Suedafrika immer wieder einmal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sobald man einen Pinsel ausgepackt hat, fing es an zu regnen. Aber jetzt ist soweit alles erledigt, sodass wir beim naechtsbesten Wetterfenster weiterfahren koennen. Wir haben das Deckshaus repariert, Roststellen ausgebessert, die Halterung fuer unsere Kanister und die Rettungsinsel neu gebaut, das Wasserstag erneuert, die vom Segelmacher in Mauritius „reparierte“ Genua noch einmal nachgebessert und tatsaechlich alle Holzteile an Deck neu lackiert. Daneben noch viele Kleinigkeiten, die immer wieder mal auf einem Boot anfallen. Langeweile kam jedenfalls nicht auf!

Dass die beruechtigten Suedweststuerme auch in der Marina kein Spass sind, erfuhren wir am eigenen Leib vor ca. zwei Wochen. Die Schwimmstege sind lediglich mit Ketten am Hafengrund verankert. Dementsprechend locker sind diese bei Niedrigwasser. Bei den in Boeen 45 Knoten Wind schoben sich die Stegelemente zieharmonikaartig zusammen. Eine Seite eines Stegelement wurde zwei Meter in die Hoehe gehoben, das andere Ende lag dementsprechen tief unter der Wasserlinie. Die Boote in der Naehe der Knickstelle waren natuerlich in helle Aufregung versetzt. Es wurden schon vereinzelt Leinen quer ueber den Hafen gespannt um ggf. ein Abdriften der gesamten Steganlage zu verhindern. Letztendlich kam es gluecklicherweise nicht dazu. Wir waren dennoch bis lange in die Nacht wach und haben der Dinge geharrt, die dann doch nicht kamen. Am Morgen war der ganze Spuk vorbei und alle beruhigten sich wieder. Ein Foto der defekten Steganlage hatte es sogar in die lokale Tageszeitung geschafft.

An Land koennen wir so nicht mehr...

An Land koennen wir so nicht mehr…

Um nicht ganz dem Hafenkoller zu erliegen und die Regenpausen zwischen den Bastelarbeiten sinnvoll zu nutzen, mieteten wir uns nochmal ein Auto und fuhren einige Male in die Wildparks. Mit unseren Freunden von der SY Renata ging es fuer zwei Tage in den Hluhluwe/ Imfolozi Park. Dort sichteten wir dann in zwei Tagen u. A. massenhaft Elefanten, Giraffen, Loewen, Rhinozerosse, Paviane und natuerlich Antilopen.

Uebernachtet haben wir im Mpila Camp mitten im Wildpark wo es natuerlich rings um die Huetten keinen Zaun gibt. Lediglich gegen die Elefanten wurde ein Elektrozaun gespannt, da diese schon immer eine Spur der Verwuestung ziehen, wo immer man sie auch findet. Alle anderen Tiere haben freien Zugang zum Camp. Typischerweise haben wir natuerlich abends den Grill angeschmissen und wurden gluecklicherweise von unseren Nachbarn darauf aufmerksam gemacht, dass sich eine ziemlich grosse Hyaene herumtreibt, die es auf unser Grillfleisch abgesehen hat. Mit ihrer starken Taschenlampe konnten sie uns das Tier auch gleich zeigen und schon war es mit dem gemuetlichen Grillen vorbei. In der Vergangenheit war sie wohl schon mehrfach erfolgreich und hatte das Fleisch vom Grill stibitzt. Hyaenen sind starke Raubtiere, die auch mal eben locker Nashornknochen durchbeissen koennen. Dementsprechend schnell wollten wir den Schwanz einziehen und in der Kueche in der Pfanne braten. “Och, das waere aber kein Problem” meinte da unser Nachbar, “man muesse nur dicht zusammenstehen und Laerm machen. Vier Erwachsene auf einmal wuerden sie nicht angreifen.” Gesagt getan. Ich wurde zum Topfschlagen abkommandiert und die Maedels suchten das Gebuesch mit den Taschenlampen ab. Sobald das Fleisch gar war, verkruemelten wir uns dann nach drinnen. Terassentuer zu und aufatmen. Puha. Vom Esszimmer aus beobachteten wir dann 5 Minuten spaeter, wie die Hyaene um den leeren Grill herumschlich und sogar ihre Nase in unsere leeren Kaffetassen auf dem Terassentisch steckte. Ganz schoen gross das Tier. Auch war sie aus der Naehe betrachtet sogar ausgesprochen huebsch – zumindest fuer eine Hyaene.

Neben den Nationalparks besuchten wir eine Aufzuchtstation fuer Wildkatzen. Die Caracals, Servals, die afrikanische Wildkatze und ein Paerchen Geparden werden dort z. T. verletzt, oder einfach so abgegeben und dann von den Angestellten wieder hochgepaeppelt. Ist mal ein bisschen spannender als die Tierheime zu Hause. Der Fuehrer hatte jedenfalls viele informative Geschichten ueber die Tiere auf Lager und so wurde es ein sehr lohnenswerter Besuch, auch wenn die “Fliessbandstreichelei” der Geparden, sie nannten es dort “animal interaction”, etwas gekuenstelt wirkte. Alle diese Katzen werden durch die Zurueckdraengung ihres Lebensraumes immer mehr dezimiert. Letztendlich ist dies ueber kurz oder lang das Schicksal fuer so gut wie alle afrikanischen Wildtiere. Ein Ueberleben ausserhalb der Nationalparks ist fuer sie aktuell nicht moeglich.

Auf einer Bootstour auf dem St. Lucia Muendungsgebiet konnten wir dann viele Nilpferde und Krokodile beobachten. Die Nilpferde sind in Afrika die mit Abstand gefaehrlichsten Tiere und fuer die meisten Toten verantwortlich. Sie sind entgegen ihres eher behaebigen und, wie ich finde, drolligen Aussehens sehr aggressiv. Wehe dem, der zwischen ein Nilpferd und dem Fluchtweg zum Wasser kommt. Wir waren jedenfalls recht froh diesen bis zu 4,5 Tonnen (!) schweren Tieren nur von Bord des Ausflugsbootes aus zu begegnen.

Einige Tage drauf ging es dann gemeinsam mit Susi und Ingolf von der „Aspasia 2“ in den iSimangaliso Wetland Park und zuletzt nochmal in den Imfolozi. Dort entdeckten wir dann als kroenenden Abschluss unserer Fotosafaris einen Leoparden im Unterholz und ein Rudel afrikanischer Wildhunde, die gerade eine Nyalaantilope gestellt hatten. Gluecklicherweise stand die voellig erschoepfte Antilope aber mit dem Ruecken zum Zaun, konnte sich so ihrer Widersacher erwehren und ist letztendlich entkommen. Leider verfing sich einer der arg vom Aussterben bedrohten Hunde im Drahtzaun. Ich hoffe die Parkranger haben den armen Burschen aus seiner misslichen Lage befreien koennen.

Dann wuerde es da noch die Geschichte mit dem einen Elefanten, den wir erschreckt haben und den Nashoernern am Klo geben, aber das wuerde jetzt den Rahmen sprengen.

Dass die Sicherheitslage hier in Suedafrika uebrigens nicht zu unterschaetzen ist, haben unsere Freunde von der „Taurus“ und von der „Aspasia 2“ hautnah erleben muessen. Sie waren auch zwei Wochen mit dem Mietauto unterwegs und wurden prompt in der Naehe des Krueger Nationalparks ausgeraubt. Nachts hatte man offenbar Betaeubungsgas in die Schlafraeume eingeleitet und dann in aller Seelenruhe saemtliche Sachen mitgenommen. Koerperliche Schaeden sind zum Glueck nicht entstanden. Ihnen blieb lediglich eine Garnitur Waesche, sowie die angebrochenen Essenssachen aus dem Kuehlschrank, die Reisedokumente und Kreditkarten. Die Gentlemen bitten zur Kasse. Die Polizei meinte nur, dass sie froh sein koennen, noch am Leben zu sein. Hm…..

Schoen langsam wollen wir also alle weiter, aber das Wetter sieht nicht allzu gut aus. Das perfekte Wetterfenster vor 10 Tagen haben wir verpasst, weil wir noch nicht alles fertig hatten und auch noch das Auto fuer eine Woche gemietet hatten. Seitdem haben wir fast konstant Suedwind, den wir auf der Strecke nach Kapstadt schon mal ueberhaupt nicht brauchen koennen. Morgen ist mal Flaute und dann kurz Nordwind – vielleicht schaffen wir es bis Durban, 90 sm entfernt.

Darueber hinaus ist seit einer Woche unser Kuehlschrank kaputt. Da hat sich aber zur Abwechslung Mal ein Kuehlschrankprofi drum gekuemmert. Die Diagnose ist aber alles andere als rosig. Wird wohl ein neuer Kompressor samt Steuerungseinheit hermuessen. Die Lieferzeiten hier nach Richards Bay sind katastrophal und so werden wir wohl erst in Durban oder Kapstadt wieder einen Kuehlschrank haben. Bei den heutigen Temperaturen von gerade mal 20 Grad aber auszuhalten.

Mehr Fotos gibt es hier zu sehen:

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Erste Eindrücke von Südafrika

OK, viel ist in den letzten knapp 2 Wochen passiert. Nachdem wir die Thor grob auf den Stand von vor dem Knockdown gebracht haben, beschlossen wir ein Auto zu mieten und uns Land und Leute einmal naeher anzusehen.

Zuerst ging es in die Sodwana Bay, das einzige Korallenriff Südafrikas. Da Südafrika so weit südlich liegt, ist es im Rest des Landes zu kalt. Nur dort oben im Norden trauen sich die Korallen hin. Entsprechend viele Tauchunternehmen tummeln sich dort. Gluecklicherweise ist der ganze Riffkomplex sehr gross, sodass es unter Wasser kein Gedraengel gibt. Meist weht der Wind aus nordöstlicher oder aus südlicher Richtung, sodass fast staendig auflandiger Wind herrscht. Getaucht wird von sieben Meter langen Feststoffboden-Dinghis aus. Um unbeschadet durch die Brandung zu kommen wird dem Skipper einiges an Geschick abverlangt, aber natuerlich passiert praktisch nie etwas, die Leute haben ja schließlich jahrelange Erfahrung. Urspruenglich hatten wir geplant nur drei Naechte zu bleiben, aber schon nach dem ersten Tag Tauchen war klar dass wir unseren Aufenthalt in der Sodwana Bay verlängern würden.

In der Tauchbasis “Pisces” geht es sehr entspannt und locker zu. Wir waren auch die einzigen Touristen dort, alle anderen Kunden waren Einheimische, die seit Jahren immer wieder kommen. Das will etwas heissen. Ueber die anderen Taucher wurden wir auch fast jeden Tag immer wieder zu Ausfluegen und Aehnlichem eingeladen. Gast- und Kontaktfreudig sind die Suedafrikaner jedenfalls. Ziemlich am Anfang ging es z. B. auf einen Huegel, von dem aus man einen wunderschoenen Blick auf einen See hatte. Ein beliebter Aussichtspunkt namens Ngobaseleni, an dem wir dann unseren Sundowner einnahmen. Fast jeden Abend wurde in der Ogwini Lodge, unserer Unterkunft in Sodwana Bay, gemeinsam gegrillt. Grillen heisst in Afrikaans “Braai” und ist hier so eine Art Volkssport. Bei den hiesigen Fleischpreisen auch kein Wunder. Gegen Ende hin konnten wir Fleisch schon nicht mehr sehen und waren auch heilfroh dass wir zurueck an Bord angekommen wieder einmal eine Gemuesepfanne machen konnten.

Die Silvesterparty haben wir dann mehr oder minder verschlafen. Nach zwei Tauchgaengen am Vormittag ging es erstmal zurueck zur Ogwini Lodge. Alle bekannten Gesichter waren ausgeflogen und so haben wir Abends fuer uns alleine gebraait. Danach haben wir uns dann fuer ein Nickerchen auf das Zimmer zurueckgezogen und sind recht schnell weggebrochen. Um zwoelf Uhr sind wir kurz vom Laerm  aufgewacht, haben uns aber gleich umgedreht und haben weitergeschlafen.

Am naechsten Morgen wurden wir dann gut erholt von unseren neuen Bekannten geweckt. Sie stammen aus Johannisburg und verbringen seit Jahren die Feiertage mit ihren beiden Kindern tauchenderweise in Sodwana Bay. Wir hatten vereinbart den Tag gemeinsam am Sibayasee zu verbringen. Der groesste Suesswassersee Suedafrikas ist nur eine halbe Autostunde von der Lodge entfernt. Auf die Frage nach den Wegverhaeltnissen meinten sie dass wir mit unserem Nissan Micra kein Problem haetten. Bis zum Tor des Nationalparks waere alles Strasse und OK, das kurze Stueck danach koennten wir mit ihnen im X5 mitfahren. Gesagt getan. Komischerweise bogen wir gleich 20 Meter, nachdem wir aus dem Tor der Lodge draussen waren, auf einen Sandweg ab, der uns schnurstracks durch den Wald fuehrte. Uns blieb nicht viel anderes uebrig als ihnen zu folgen. Es kam natürlich wie es kommen musste, sobald die Reifenspuren im Sand etwas tiefer wurden, saß der kleine Nissan auf und wir konnten nur mit vereinten Kraeften den Karren wieder aus dem Dreck ziehen. Eine Verringerung des Reifendrucks brachte erstmal Abhilfe doch natuerlich liess die naechste, noch tiefere Stelle, nicht lange auf sich warten. Lange Rede kurzer Sinn, insgesamt blieben wir auf dem Weg zum See schlappe fuenf Mal (!) stecken. Ab dem dritten Mal war es mit Schieben auch nicht mehr getan, wir mussten uns von vorbeifahrenden Fahrzeugen ein Abschleppseil ausborgen, da wir natuerlich als Mietwagenfahrer keines dabei hatten. Wir wunderten uns doch sehr, was die Suedafrikaner so Strasse nennen. Umgekehrt wunderten sie sich sicherlich, was wir Touristen denn mit einem Micra da mitten im Wald verloren hatten. Nach dem fünften Mal wurde es unseren Voraus- und Hinterherfahrern dann zu bunt, und so wurden wir kurzerhand die letzten 400 Meter zum Parktor geschleppt. Wie geplant stiegen wir dann zu unseren Freunden in den SUV um und legten die letzten Kilometer zum See völlig ereignislos, ja fast gelangweilt ;-) zurück.

Dort verbrachten wir dann einen wunderschönen Tag im kühlen Wasser, wegen der Krokodile und Nilpferde aber nur bis zu den Knien (!?). OK, das hoert sich jetzt schlimmer an als es ist. Es waren genügend Augenpaare da, die permanent das Wasser beobachtet haben. Wirklich zu Gesicht bekommen hat die Biester keiner. Es war ihnen wohl zuviel Trubel. Wieder gab es das südafrikanische Nationalgericht “Potije”, das wir schon einmal bei einer Einladung in Richards Bay verkosten durften – wie schon damals – ein Gedicht. Wie so oft erfuhren wir im Gespraech viel über die juengere Geschichte Suedafrikas, aber auch über die Zeit vor dem Ende der Apartheit. Die Gastfreundschaft die wir von den Urlaubern in Sodwana Bay erfuhren, war jedenfalls überwältigend.

Immer im Hinterkopf hatten wir jedenfalls die Heimfahrt, immerhin mussten wir ja den Weg über die Sandpisten wieder zurück. Letztendlich ging diese aber recht flott von statten. Anders als bei der Hinfahrt regierte nun der Bleifuss, und mit Ach und viel Krach pfluegten wir durch die “Duenen”. Steckengeblieben sind wir dann kein einziges Mal (!), von spritsparender Fahrweise muss man sich im Gelaende wohl verabschieden. Wieder was gelernt…

In die umliegenden Nationalparks sind wir natuerlich auch gefahren. Fuer uns war es das erste Mal dass wir die hiesigen Wildtiere ausserhalb eines Zoos betrachten konnten. Elegante Antilopen, urzeitlich anmutende Rhinozerosse und Schildkroeten, Strausse, grasende Gnus, massive Bueffel, turmhohe Giraffen und meine neuen Lieblingstiere – die Warzenschweine. Loewen sahen wir nur auf einer gefuehrten Tour, bei 250 kg Lebendgewicht und riesigen Reisszaehnen fuehlt man sich aber schon viel wohler, einen Profi dabei zu haben.

So, das war nun die eine Seite der “Urlaubsreise”. Allerdings gab es natuerlich auch noch, wie so oft, eine Kehrseite der Medaille:

Seit Mitte letzten Jahrhunderts bis 1994 herrschte mit dem Apartheitsregime eine rassistische Regierung, die versuchte eine strikte Rassentrennung durchzusetzen. Schwarze sollten als “minderwertige Rasse” lediglich die niederen Aufgaben ausfuehren. Dementsprechend gab es lediglich sehr eingeschraenkte Zugaenge zu Bildung und Wohlstand. Nichteinmal frei bewegen durften sie sich im eigenen Land. Sie durften z. B. nur in Staedten wohnen, wenn sie bei Weissen angestellt waren, beispielsweise als Haushaltshilfe. Bedenkt man, dass der Anteil der Weissen bei lediglich 9 % der Geamtbevoelkerung liegt, ein absoluter Wahnsinn.

Traurigerweise haben wir festgestellt dass sich auch nach nun schon 20 Jahren kaum etwas geaendert hat. Zwar sind die rassistischen Gesetze verschwunden, aber die Mauern in den Koepfen sind meist noch vollstaendig vorhanden. Wenn man mit Weissen spricht, dann hoert man beispielsweise das abwertende Wort “Kaffer” noch recht haeufig. Oft wird geklagt, dass die neue schwarze Regierung die Infrastruktur des Landes verlottern lasse.

So gut wie jeder einigermassen gut betuchte Weisse hat immer noch schwarze Hausangestellte zu Hause. Dies ist natuerlich nur moeglich, weil diese sich fuer eine Spottpreis verdingen. Das Lohnniveau zwischen Schwarzen und Weissen ist nach wie vor sehr unterschiedlich. Einer befreundeten Yacht, die im benachbarten Boatyard neues Antfouling strichen und sich in der Hitze drei Tage abrackerten, wurde der “Tipp” gegeben, sie moegen sich doch fuer 150 Rand pro Tag – das sind ca. 10 Euro – einen  Schwarzen engagieren, der dann die Drecksarbeit fuer sie erledigen koenne. “Niemand der bei klaren Verstandes sei, wuerde in Suedafrika koerperliche Arbeit selbst verrichten” – gemeint waren natuerlich Weisse.

Wenn wir, wie wir es eben machen, auf der Strasse schwarze Leute freundlich gruessen, meinen diese oft wir wuerden etwas von ihnen wollen und fragen nach. Ob das nun einfach Freundlichkeit ist, oder eine, durch die hiesigen Verhaeltnisse, lang antrainierte “Unterwuerfigkeitsbezeugung” koennen wir nicht sagen. Weisse jedenfalls gruessen jedenfalls niemals mit einem “Yes Ma’am/ Sir?” zurueck.

Wegen der krassen Unterschiede zwischen Arm und Reich ist leider das Kriminalitaetsniveau entsprechend hoch. Aus Angst vor Ueberfaellen geht beispielsweise kaum ein Weisser nachts zu Fuss. Selbst die Kneipe, die weniger als 100 Meter von unserer Lodge entfernt war, gerade mal auf der anderen Strassenseite, wird nur mit dem eigenen PKW besucht. Um die Grundstuecke der Haeuser, bzw. gleich um ganze Wohngebiete, werden hohe Mauern errichtet. Wahlweise oben mit Glassplittern, Stacheldraht oder Elektrozaun (!). Dahinter fuehlt man sich dann schoen sicher und geborgen. Das Ganze kann man leider nicht als Paranoia abtun. Bekannte wurden zwei Tage nachdem wir dort waren, auf Ngobaseleni, also genau unserem Sundownerhuegel, mit vorgehaltener Pistole ausgeraubt. Gluecklicherweise kam niemand zu Schaden. Man muss also schon echt vorsichtig unterwegs sein, auch wenn einem das als Europaer surreal vorkommt.

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Das war also ein Bericht der letzten eineinhalb Wochen. Er schildert unsere ersten persönlichen Eindrücke von diesem Land und  seinen Leuten. Wir hoffen, dass wir aber noch andere Sichtweisen erfahren werden und mehr darueber berichten koennen.

Und hier geht es zum Fotoalbum von unserem “Urlaub”:

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157649752076539/

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