Wieder daheim

Viel Zeit ist vergangen seit dem letzten Blogeintrag. Viel ist passiert, der deutsche Alltag hat uns wieder fest im Griff – deshalb wird dies hier nun auch wahrscheinlich etwas länger. Im letzten Blogeintrag sind wir im Nord-Ostsee-Kanal rumgeschippert. Nachdem sich dann die Schleuse auf der Kieler Seite geöffnet hatte, wurde uns in der Förde von den Schiffen Tutunui, Röde Orm und der Hitch Hike Heidi ein grandioser Empfang bereitet. In Flottillenfahrt ging es dann Richtung Wendtorf. Familie, Freunde, Sekt, Zeitungsreporterin – das ganze Tamtam. Das Ganze ist dann in einem schönen Grillabend am Parkplatz ausgeklungen. Am Wochenende drauf gab es dann nochmal eine Grillparty in der Marina mit weiteren Freunden. Lauter alte und nicht so alte Bekannte. Grandios. Hier nochmal vielen herzlichen Dank an alle Beteiligten. Wir haben uns riesig über euer Kommen gefreut und hatten eine tolle Zeit.

Nach so zweieinhalb Wochen war es dann soweit. Wir nahmen Abschied von der Thor und fuhren runter in den Süden – Freunde und Verwandte besuchen. So schön es auch war, alle wieder zu sehen, stellte sich doch auch ein wenig Katzenjammer ein. Vom völlig selbstbestimmten Leben auf See, zurück, als Gast, in den elterlichen Haushalt. Die elterliche Gastfreundschaft war natürlich fantastisch und kannte keine Grenzen. Es fehlte uns an nichts, außer eben die gerade erst aufgegebene, fast völlige Unabhängigkeit. Die Lösung für uns war natürlich sehr archaisch – Auto kaufen und wieder nach Hause auf die Thor – Fluchtreflex.

Wieder auf der Thor ging es dann daran, die Thor auf das Winterlager vorzubereiten. Ein Winterliegeplatz musste gefunden werden, an Deck wurde mit den ersten Arbeiten begonnen. Nebenbei wurde Arbeit gesucht. Stellenangebote wälzen, Bewerbungen schreiben, Bewerbungsgespräche hier und da. Fragen, ob wir uns nun im Norden oder im Süden der Republik niederlassen sollen? Alles bleibt aber sehr nebulös. Normalerweise hat man ja wenigsten einen Fixpunkt – einen Job oder eine Wohnung – wir hatten nichts und schwebten sozusagen im luftleeren Raum. Letzten Endes wurde uns die Entscheidung etwas von der Tatsache abgenommen, dass ich sozusagen meinen alten Job bei meinem letzten Arbeitgeber wieder bekam. Danach ging es Schlag auf Schlag, Thor aus dem Wasser kranen, und vor dem Winter die gröbsten Arbeiten ausführen. Wohnung suchen, finden und einziehen. Gebrauchte Küche in Salzburg abbauen und dann in der Wohnung wieder aufstellen (Was soll eigentlich die Unsitte die Küche beim Einzug anschaffen zu müssen? Schließlich ist das ja immer mehr oder weniger eine Maßanfertigung für den jeweiligen Raum. In anderen Ländern gehört die Küche zur Wohnung wie bei uns die Heizkörper – viel stressfreier diese Lösung.)

In Cuxhaven wurden wir dann noch von unserem Segelverein (Trans Ocean) bei einer sehr gediegenen Jahreshauptversammlung mit dem Weltumseglerpreis und dem Preis der Stadt Cuxhaven geehrt- coolo. Innerhalb von drei Monaten fahren wir auf unsere neue/alte Karre 10.000 km drauf. Wir verbrauchen in der Zeit gut zweieinhalb Mal soviel Sprit wie von Panama nach Neuseeland. Anscheinend sind wir schon wieder ganz im mitteleuropäischen Lebensstil angekommen. Manchmal fühlt es sich fast so an, als ob wir gar nicht weg gewesen wären. Einmal haben wir an vier verschiedenen Tagen in vier verschiedenen Betten geschlafen. Auch hier an alle Beteiligten ein herzliches Dankeschön für eure Gastfreundschaft. Langweilig wurde es uns jedenfalls nicht.

Seit Anfang Dezember jedenfalls stehe ich wieder in Lohn und Brot, der Berufseinstieg gelang viel besser als erwartet. Christine ist noch fleißig auf Jobsuche.

Was wird aus der Thor:
Von unserem anfänglichen Plan, sie bei Ankunft zu verkaufen, sind wir wieder abgerückt. Der Gebrauchtbootsmarkt ist im Moment überschwemmt mit Booten und für die heimischen Küstenreviere ist die Thor auch heillos überdimensioniert. Wer ein Boot braucht um mal am Wochenende eben rüber nach Dänemark zu flitzen, ist bei der Thor falsch aufgehoben. Die Thor ist und bleibt ein Boot für die lange Fahrt. Ultrastabil gebaut kann sie alles ab was auf offener See auf sie zukommt. Wir wissen das, denn wir haben es ausprobiert! Leider ist die Anzahl der Käufer für solche Boote nochmals kleiner. Der zu erzielende Preis ist jedenfalls weit unter dem, was wir bisher in sie reingesteckt haben und so bleibt die Thor nun erst einmal in Familienbesitz. Ein besseres Boot wie die Thor finden wir, wenn es in einigen Jahren wieder losgehen sollte, sowieso nicht. Die Weltkarte ist schon mal überm Esstisch positioniert, sodass wir unsere Pläne nicht aus den Augen verlieren.

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Jetzt noch an Schnee und Kälte gewöhnen, dann wird das schon wieder. Zu Weihnachten war das jedenfalls schon sehr stimmig, wie wir finden, obwohl sich der Schnee erst eine Woche später eingestellt hat. Auch mal eine nette Abwechslung zur Tropenhitze am Heiligabend. Wir wünschen euch allen ein gutes neues Jahr und sind schon gespannt, was 2016 für uns bereit hält.

Thor im NOK

Eine Woche in Salcombe war recht erholsam, aber sobald der Wind passte, machten wir uns auch schon auf den Weg weiter Richtung Osten. Bis Dover kamen wir auch sehr gut voran, dann war aber der Wind weg. Also eine Nacht Pause eingelegt und ein bisschen die Stadt erkundet. Wir dachten schon, dass es bestimmt noch länger dauern würde, bis wir wieder richtigen Wind hätten, aber ein zweiter Blick auf die gribfiles später am Abend zeigte uns plötzlich ein echt gutes Wetterfenster um vielleicht sogar bis Cuxhaven zu kommen.

Gesagt, getan. Schon am nächsten Tag ging es von Dover westlich an den Verkehrstrennungsgebieten vorbei Richtung europäisches Festland. Nördlich von Rotterdam wechselten wir dann auf die anderen Seite der Schifffahrtsstraßen. Es war unglaublich viel los und wir staunten nur so ob der Masse an Windparks und Ölplattformen in Küstennähe. Der Wind war eher etwas zu schwach und der Motor musste ca. 30 Stunden laufen, bis wir endlich in Cuxhaven ankamen. Aber besser so, als Sturm auf der Nordsee, lautete unsere Devise.

Letzten Freitag erreichten wir dann Cuxhaven um 4.30 Uhr am Morgen und erholten uns erst mal wieder ein bisschen. Zwar hatte die Fahrt von England nur 3,5 Tage gedauert, aber es war schon anstrengend mit dem vielen Berufsverkehr und teilweise schlechter Sicht im Nieselregen.

In Cuxhaven trafen wir dann Petra, die Hafenmeisterin, die tatsächlich schon seit längerer Zeit unseren Blog verfolgt hatte. Was für eine nette Überraschung! Und dann war da auch noch die Segeljacht Josi mit Jürgen und Ingrid, die gerade von ihrer 23-jährigen Reise und zwei Weltumsegelungen zurück nach Deutschland gekommen sind. Mit ihnen haben wir auch einen sehr netten Abend verbracht und die schönsten Plätze unserer jeweiligen Reisen Revue passieren lassen. Ist es wirklich schon bald aus?
Der Oberhammer war dann als Tim und Laura von der Kira plötzlich am Steg standen. Sie hatten unseren Positionsreport verfolgt und sind dann spontan nach Cuxhaven gekommen. Super!

Wettertechnisch sah es für die kommenden Tage nicht gut aus, aber wir haben dann gestern tatsächlich eine kleine Wetterlücke nutzen können um wenigstens bis Brunsbüttel und in den NOK (Nordostseekanal) zu kommen. Die Nordsee liegt nun hinter uns. Puha, kein einfaches Segelrevier. Wir konnten unser Glück kaum fassen, dass wir sofort bei der Ankunft in Brunsbüttel als einzige Yacht zusammen mit einem kleinen Tanker und einem Schleppkahn geschleust wurden. Ging alles silky smooth und schon um 19 Uhr lagen wir im Päckchen im Minihafen von Brunsbüttel fest.

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Heute geht es dann weiter Richtung Rendsburg und morgen wollen wir in Wendtorf ankommen. Mal sehen, ob das so klappt. Für heute ist starker Wind angesagt, aber für uns eigentlich aus einer günstigen Richtung und hier im „Binnengewässer“ sollte das zu schaffen sein. Müssen nur noch warten, bis das Boot hinter uns weg ist, wir sind sozusagen „eingeparkt“.

Fajal – England

Fajal – England

Eigentlich sind es nur 1250 Meilen gewesen. Eigentlich fanden „alle“, die wir vorher gesprochen hatten, dass diese Strecke mit dem Azorenhoch im Süden und den Tiefs oben bei Island seinerzeit eine tolle Überfahrt mit Backsstagsbrise war.

Nix da. Das Azorenhoch tummelte sich irgendwo auf Höhe der Kanaren und wir befanden uns mitten in den Tiefausläufern. Insgesamt sechs Tiefs haben uns auf dieser Überfahrt erwischt. Zwei davon mit Winden in Sturmstärke. Eines ging südlich von uns durch und brachte drei Tage lang Ostwind. Einfach war diese Überfahrt nicht. Als wir dann endlich im englischen Kanal angekommen waren, besserte sich das Wetter, zumindest für englische Verhältnisse deutlich. Ruhige See und sogar ab und zu ein Sonnenstrahl. Wir liefen deshalb nicht den erstbesten Hafen (Falmouth) an sondern beschlossen nach Dartmouth weiter zu fahren. Dartmouth haben wir schon auf der Hinfahrt vor 4 Jahren besucht. Uns es war uns als besonders schnuckelig in Erinnerung geblieben. Na ja, kurz vor der letzten Huk tat sich eine weitere Flußmündung auf – im Hintergrund das pittoreske Städtchen Salcombe. Auch nett und wir kennen es noch nicht. Nach kurzer Konsultation unseres alten nautischen Almanacs bogen wir schnurstracks nach dorthin ab. Ums Eck bot sich dann ein irres Bild. Es sah fast so aus, als ob es sich um den ersten Sonnentag des Jahres in England handelte und die Gesamtbevölkerung sich nun zur Sommerfrische in Salcombe Harbour eingefunden hatte. Knallvolle Strände und ein irrer Verkehr auf dem Wasser. Alles was schwimmt, wird von einem Außenborder oder Segel angetrieben, spazieren gefahren.

Bei maximal 22 Grad tummeln sich die Einheimischen hier im Bikini am Strand. Sportlich!

Salcombe selber ist ein sehr englisches Touristädtchen. So eine Art Bad Aussee Englands. Die Preise sind ebenfalls sehr britisch. Eine Halbe Bier kostet 6 Euro in der Kneipe. Na denn Prost. Auf dem Weg zum Dinghidock kommt man an einem Pontoon mit Recyclingtonnen vorbei. Ein untrüglicheres Zeichen, dass wir wieder in Europa sind, gibt es wohl nicht.

Wir liegen hier sehr geschützt an einer Besuchermooring. Da gerade Wochenende ist und Salcombe entsprechend gut besucht ist, sind alle Besuchermoorings, auch unsere, mit je vier Booten im Päckchen besetzt. Bei der Antwort auf die Frage nach dem Woher und Wohin machen die einheimischen Segler auf ihren blitzblanken GFK Yachten dann ganz große Augen. So ein bisschen Stolz kommt bei uns dann schon auf.

Fotos – von St. Helena bis Horta

Für uns geht es heute weiter Richtung Norden. Wo wir genau Landfall machen werden, wissen wir noch nicht. Das werden wir dann unterwegs abhängig vom Wetter entscheiden. Ich hab es jetzt gerade noch geschafft, die Fotos der letzten Monate hochzuladen, ein bisschen Text über Horta folgt dann vielleicht von unterwegs😉

St. Helena im Mai 2015

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157653785639873

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Törn von St. Helena nach Faial  / Azoren – 09. Mai bis 29. Juni 2015

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157653778330404

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Horta – 29. Juni bis 20. Juli 2015

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157656113506891

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Tag 51: Ankunft in Horta/ Fajal

Sodelle. Gestern sind wir, nach 4387 Seemeilen und 51 Tagen auf See, in Horta angekommen. Am Vortag habe ich zwar noch allen groß geschrieben, dass wir nach Ponta Delgada fahren, aber nach einem Blick auf den Navirechner – Entfernung nach Horta 96 Meilen und 210 Seemeilen nach Ponta Delgada – fiel die Entscheidung spontan für das nähere Ziel aus. Trotz der nun um die Hälfte kürzeren Strecke hat es leider nicht mehr gereicht um der herannahenden Kaltfront auszuweichen. Pünktlich zum Beginn von Christines Wache um ein Uhr nachts fing es an zu kacheln. Locker 6 Bft und drei Meter Welle von schräg vorne. Dazu kalter Platzregen. Großsegel runter, Genua stark gerefft ging es weiter. Durch den Regen war die Sicht so stark vermindert, dass sich die Insel Fajal erst 6 Meilen vor der Küste aus der Suppe schälte. Standesgemäßer Empfang von Dieter von der Orion mit Sekt und Picknickkorb mit frischen Leckerbissen. Vielen herzlichen Dank dafür. Danke an alle, die uns unterwegs mit aufmunternden Emails und Wetter versorgt haben. Danke auch an die fleissigen Blogkommentierer, wir werden uns diese nun mal zu Gemüte führen.

Ankunft von SY THOR in Horta

Tag 46: St. Helena – Azoren

Wir sind noch immer unterwegs. Egal wie lange eine Überfahrt dauert, seien es 700, 2000 oder 4000 Meilen, die letzten Tage dauern immer am längsten und die Zeit fließt zäh wie Honig dahin. 3895 Seemeilen liegen bereits hinter uns und die ersten 6 Wochen gingen auch relativ fix vorüber. Die letzten 500 Meilen scheinen jetzt aber u n e n d l i c h lang zu sein! Mit gutem Wind wäre das Ding in 5 Tagen erledigt, aber auf den kann man sich hier nicht verlassen. 3 Tage Flaute, ein Tag Segeln, wieder ein Tag Flaute. Seit heute morgen segeln wir zur Abwechslung wieder einmal, unter Vollzeug mit knapp 4 Knoten nach Nordosten. So sieht das Ganze gleich besser aus. Bis morgen Mittag sollte uns der Wind noch erhalten bleiben, dann wieder ca. 1 Tag Flaute bevor wir wieder Wind bekommen. Irgendwann werden auch wir auf den Azoren ankommen.

Aber wir wollen uns jetzt ja auch nicht groß beschweren. Das Wetter ist schön, wir haben noch genügend Wasser (es hat sich gelohnt, die ersten paar Wochen recht sparsam damit zu sein) und Proviant haben wir auch noch reichlich. Die Bücher in Papierform gehen uns langsam aus, aber da hätten wir ja noch hunderte von Büchern in elektronischer Form. Wir können also getrost noch eine Weile unterwegs sein.

Die SY Orion ist letzten Dienstag auf den Azoren angekommen, nach nur 38 Tagen Fahrt. Ist aber auch ein viel größeres Schiff als die Thor. Die SY Green Coral ist nur noch ca. 400 Meilen hinter uns und die SY Aspasia ist seit knapp einer Woche auf den Kapverden.

Tag 42: St. Helena – Azoren

Wieder eine Woche mehr. Wir sind die erste Wochenhälfte recht gut vorangekommen. Mittlerweile liegen wir bekalmt etwa 1300 km vor den Azoren. Gerade zieht das Azorenhoch über uns drüber. Das Meer liegt da wie Glas – soweit das Auge reicht. Die letzten sechs Stunden haben wir eine Seemeile, etwa 1,9 km zurueckgelegt. Vorsegel ist geborgen. Das Großsegel ist im zweiten Reff oben- das Boot rollt dann weniger. Laut der Wettervorhersage soll es ab morgen früh wieder Wind geben. Mal sehen.

Unsere Verbraucherbatterien haben vor einigen Tagen endgültig den Geist aufgegeben. Am Morgen bei der Funkrunde bummelige 9 Volt. Damit fiel die Funkrunde dann für den Tag recht kurz aus. Ich habe die alten ausgebaut und dafür eine gebrauchte AGM Starterbatterie eingebaut, welche ein Segelkollege in Kapstadt auf den Steg gestellt hatte. AGM Batterien haben eine weit längere Lebensdauer als normale Bleiakkus und die Spannung war mit 12,3 Volt noch recht gut. Da lag der Verdacht nahe dass die Batterie evtl. noch recht brauchbar ist, und siehe da, wir haben nun mehr Kapazität als mit unseren alten Batterien. Ohne Kühlschrank ist unser Strombedarf wirklich nicht sehr groß, die Anforderungen an eine Batterie dementsprechend gering. Bis jetzt reicht die Gebrauchte ganz gut. Am Morgen hat die neue/alte Batterie noch 12,1 Volt Spannung. Mal sehen wann dieses Provisorium das Zeitliche segnet.

Autor: Christian