Tag 51: Ankunft in Horta/ Fajal

Sodelle. Gestern sind wir, nach 4387 Seemeilen und 51 Tagen auf See, in Horta angekommen. Am Vortag habe ich zwar noch allen groß geschrieben, dass wir nach Ponta Delgada fahren, aber nach einem Blick auf den Navirechner – Entfernung nach Horta 96 Meilen und 210 Seemeilen nach Ponta Delgada – fiel die Entscheidung spontan für das nähere Ziel aus. Trotz der nun um die Hälfte kürzeren Strecke hat es leider nicht mehr gereicht um der herannahenden Kaltfront auszuweichen. Pünktlich zum Beginn von Christines Wache um ein Uhr nachts fing es an zu kacheln. Locker 6 Bft und drei Meter Welle von schräg vorne. Dazu kalter Platzregen. Großsegel runter, Genua stark gerefft ging es weiter. Durch den Regen war die Sicht so stark vermindert, dass sich die Insel Fajal erst 6 Meilen vor der Küste aus der Suppe schälte. Standesgemäßer Empfang von Dieter von der Orion mit Sekt und Picknickkorb mit frischen Leckerbissen. Vielen herzlichen Dank dafür. Danke an alle, die uns unterwegs mit aufmunternden Emails und Wetter versorgt haben. Danke auch an die fleissigen Blogkommentierer, wir werden uns diese nun mal zu Gemüte führen.

Ankunft von SY THOR in Horta

Tag 46: St. Helena – Azoren

Wir sind noch immer unterwegs. Egal wie lange eine Überfahrt dauert, seien es 700, 2000 oder 4000 Meilen, die letzten Tage dauern immer am längsten und die Zeit fließt zäh wie Honig dahin. 3895 Seemeilen liegen bereits hinter uns und die ersten 6 Wochen gingen auch relativ fix vorüber. Die letzten 500 Meilen scheinen jetzt aber u n e n d l i c h lang zu sein! Mit gutem Wind wäre das Ding in 5 Tagen erledigt, aber auf den kann man sich hier nicht verlassen. 3 Tage Flaute, ein Tag Segeln, wieder ein Tag Flaute. Seit heute morgen segeln wir zur Abwechslung wieder einmal, unter Vollzeug mit knapp 4 Knoten nach Nordosten. So sieht das Ganze gleich besser aus. Bis morgen Mittag sollte uns der Wind noch erhalten bleiben, dann wieder ca. 1 Tag Flaute bevor wir wieder Wind bekommen. Irgendwann werden auch wir auf den Azoren ankommen.

Aber wir wollen uns jetzt ja auch nicht groß beschweren. Das Wetter ist schön, wir haben noch genügend Wasser (es hat sich gelohnt, die ersten paar Wochen recht sparsam damit zu sein) und Proviant haben wir auch noch reichlich. Die Bücher in Papierform gehen uns langsam aus, aber da hätten wir ja noch hunderte von Büchern in elektronischer Form. Wir können also getrost noch eine Weile unterwegs sein.

Die SY Orion ist letzten Dienstag auf den Azoren angekommen, nach nur 38 Tagen Fahrt. Ist aber auch ein viel größeres Schiff als die Thor. Die SY Green Coral ist nur noch ca. 400 Meilen hinter uns und die SY Aspasia ist seit knapp einer Woche auf den Kapverden.

Tag 42: St. Helena – Azoren

Wieder eine Woche mehr. Wir sind die erste Wochenhälfte recht gut vorangekommen. Mittlerweile liegen wir bekalmt etwa 1300 km vor den Azoren. Gerade zieht das Azorenhoch über uns drüber. Das Meer liegt da wie Glas – soweit das Auge reicht. Die letzten sechs Stunden haben wir eine Seemeile, etwa 1,9 km zurueckgelegt. Vorsegel ist geborgen. Das Großsegel ist im zweiten Reff oben- das Boot rollt dann weniger. Laut der Wettervorhersage soll es ab morgen früh wieder Wind geben. Mal sehen.

Unsere Verbraucherbatterien haben vor einigen Tagen endgültig den Geist aufgegeben. Am Morgen bei der Funkrunde bummelige 9 Volt. Damit fiel die Funkrunde dann für den Tag recht kurz aus. Ich habe die alten ausgebaut und dafür eine gebrauchte AGM Starterbatterie eingebaut, welche ein Segelkollege in Kapstadt auf den Steg gestellt hatte. AGM Batterien haben eine weit längere Lebensdauer als normale Bleiakkus und die Spannung war mit 12,3 Volt noch recht gut. Da lag der Verdacht nahe dass die Batterie evtl. noch recht brauchbar ist, und siehe da, wir haben nun mehr Kapazität als mit unseren alten Batterien. Ohne Kühlschrank ist unser Strombedarf wirklich nicht sehr groß, die Anforderungen an eine Batterie dementsprechend gering. Bis jetzt reicht die Gebrauchte ganz gut. Am Morgen hat die neue/alte Batterie noch 12,1 Volt Spannung. Mal sehen wann dieses Provisorium das Zeitliche segnet.

Autor: Christian

Tag 36: St. Helena – Azoren

Seit zweieinhalb Wochen sind wir nun schon im Nordostpassat. Bisher war uns Neptun sehr gewogen. Wir kamen zwar langsam voran, aber es war um Einiges gemuetlicher als wir befuerchtet hatten. Eigentlich war es bisher sogar sehr nett. Sogar die paar Tage Starkwind vor knapp einer Woche waren stark gerefft gut zu ertragen. Leider konnten wir bisher unser Ziel, die Azoren nicht direkt anlegen. Stur fuhr die Thor nach Nordnordwest. Seit gestern morgen hat der Wind etwas auf Ost gedreht, sodass wir nun wenigstens direkt auf Nordkurs segeln koennen. Quasi Siebenmeilenstiefel. Hoffentlich stimmt die Vorhersage und der Wind bleibt so fuer die naechsten paar Tage. Mal sehen.

Gestern ist die sechste Woche auf See angebrochen. Die Tage fliessen ineinander ueber und sind bis auf Nuancen sehr aehnlich. Mal mehr, mal weniger Wind. Mal etwas mehr von Nord, mal von Ost – was macht’s. Der Winkel zum Wind bleibt durch die Selbststeueranlage immer gleich. Die Wellen rollen immer von schraeg vorne heran. Seele baumeln lassen. Nachdenken. Zu tun gibt es wenig.

Tiefenentspannt ist man aber nicht wirklich. Zu sehr ist man sich der eigenen Isolation bewusst. Auf Hilfe von aussen kann man trotz taeglicher Funkverbindung mit anderen Schiffen nicht hoffen. Der naechste Flecken Land sind die Kapverden 1500 km entfernt – gegen den Wind. Am schnellsten sind von hier aus noch die kleinen Antillen in der Karibik zu erreichen. 2800 km. Nur kein Risiko eingehen. Lebensmittel werden kritischer als an Land beaeugt. Einen verdorbenen Magen kann man hier nicht gebrauchen. Taeglich kontrolliert man dieses oder jenes am Schiff, achtet auf Verschleiss. Eine Reffleine loest sich auf – das andere Ende des Tampens ist aber noch gut, wir drehen sie also kurzerhand um. Der Fuss des Windgeneratormastes ist seit einigen Tagen gebrochen. Aus einem Stueck Alublech wird ein Ersatz gebastelt. Muss aber auf den Azoren durch etwas Gescheites ersetzt werden.

Das hoert sich aber vielleicht dramatischer an als es eigentlich ist. Wir fuehlen uns eigentlich pudelwohl an Bord. Ein paar “Durchhaenger” gibt es auf so einer langen Ueberfahrt immer wieder einmal, gerade wenn zB der Wind das Boot so gar nicht in die richtige Richtung pustet. Aber das Alles wird mehr als aufgewogen durch die fantastische Natur hier draussen. Fliegende Fische, Delfine, portugiesische Galeeren, Seevoegel. An ruhigen Tagen ist die Kimm wie mit dem Lineal gezogen. Abermillionen von Sternen nachts.

Autor: Christian

Tag 32: St. Helena – Azoren

Ey dat kenn’ ich! Um 1.20 UTC haben wir unsere alte Kurslinie der ersten Atlantikueberquerung vor dreieinhalb Jahren gekreuzt. Damit sind wir, nach einer der vielen Definitionen fuer eine Weltumseglung, einmal rum. Ploepp, Prost.

Sonst alles OK an Bord.

Tag 30: St. Helena – Azoren

Wieder einmal hoechste Zeit fuer einen kurzen Blogeintrag. Seit ca. 10 Tagen segeln wir nun schon im NE-Passat und angefangen mit der Windstaerke 2-3 hatten wir die letzten 4 Tage konstant Windstaerke 5. Da wird es dann schon eher ungemuetlich. Man kann nicht mehr aufrecht durchs Boot gehen, staendig muss man sich irgendwo festhalten und man absolviert recht unfreiwillig konstantes Muskeltraining. Am besten einfach hinlegen und lesen. Ist zwar jetzt nichts Neues fuer uns, aber wenn der Wind wieder weniger wird, haben wir auch nichts dagegen. Leben in einer schiefen Welt. Echt schraeg.

Das Gute am Atlantik ist ja, dass die Duenung trotz allem recht weich ist. Waeren wir jetzt mit 5 Bft. in der Nordsee oder Ostsee unterwegs und muessten hart am Wind segeln, haetten wir wohl mit einer ordentlich kurzen, steilen Welle zu kaempfen. Es geht also denken wir immer noch einen Tacken ungemuetlicher. Die Thor mit ihren 11 Tonnen scheint sich auch nicht recht viel aus den Wellen hier zu machen. Unermuetlich schiebt sie sich durch die von schraeg von vorne anrollenden Wellen. Nur manchmal pfluegt sie so frontal gegen eine Welle, dass die Wasserfontaenen von vorne am Bug, ueber die komplette Laenge des Schiffs, bis hinten ins Cockpit spritzen. Sehr unterhaltsam wenn man grad im Cockpit steht und Rundumblick machen will – zumindest fuer den jeweils anderen, der unten im Trockenen sitzt. Gut das wir in St. Helena nochmal alle Ritzen auf den Decksaufbauten abgedichtet haben.

Die Kapverden liegen bereits hinter uns und wir kommen langsam aber stetig nach Norden. Die SY Aspasia hatte leider etwas weniger Glueck, vor ein paar Tagen ist ihr Vorstagsbeschlag oben am Mast gebrochen. Sie haben es mit Bordmitteln behelfsmaessig reparieren koennen, dennoch wollen sie jetzt auf die Kapverden und dort eine ordentliche Reparatur vornehmen. Zwar trennen sie nur 300 Meilen von den Inseln, aber sie muessen den ganzen Weg aufkreuzen. Wir druecken ihnen die Daumen, dass sie bald dort ankommen und nach erfolgreicher Reparatur weiter nach Norden segeln koennen. Die SY Green Coral ist 900 Meilen suedlich von uns und auch unterwegs zu den Azoren. Wir haben nach wie vor taeglich unsere kleine Funkrunde.

Mehr gibts im Moment nicht zu berichten. Wir haben noch ausreichend Wasser, konnten am Aequator aber nur 15 l Regenwasser auffangen. Im Moment liegt unser Verbrauch bei den nicht zu heissen Temperaturen bei gut 4 Liter/ Tag. Ein paar Orangen und Zitronen, sowie Zwiebel und Kuerbisse sind uns an frischem Gemuese noch geblieben. Wir schlemmen uns durch die Leckereien in der Backskiste, schliesslich haben wir uns wohlweislich hinsichtlich der Dauer der Ueberfahrt ausreichend verproviantiert. Und da wir sicher noch eine Weile unterwegs sein werden (3-4 Wochen???) ist das auch gut so.

Luftlinie sind es nur noch 1.270 Meilen bis zu den Azoren, aber wir muessen ja noch ca. 800 Meilen gegen den NE-Passat, dann durch eine weitere Flautenzone, die sog. Rossbreiten und danach ist es auch noch nicht sicher, welchen Wind wir kurz vor den Azoren haben werden. Das Azoren-Hoch scheint sich noch nicht so recht stabilisiert zu haben.

Tag 23: St. Helena – Azoren

Die ersten drei Wochen liegen hinter uns und damit 2.270 gesegelte Meilen. Wir haben die Haelfte der Strecke schon geschafft!

Seit drei Tagen segeln wir nun schon im Nordost-Passat. Die Wasser- und Lufttemperaturen sind im Vergleich zum Aequator schon wieder ein paar Grad zurueckgegangen. Der Wind ist noch nicht zu stark, max. 15 Knoten und so koennen wir uns in Ruhe wieder ans Am-Wind-Segeln gewoehnen. Die Squalls sind vorbei und meistens scheint die Sonne. Schon eine Umstellung nach den ganzen Vorwind- und Raumwindkursen. Uns fehlt auch so ein bisschen das optimale Segel dafuer. Wenn der Wind nicht zu stark ist, koennen wir die Genua und das gereffte Gross fahren. Sobald es aber mehr blaest, muessen wir auch die Genua reffen und die steht halt nicht so gut wie eine extra Arbeitsfock. Die Starkwindfock, die wir aber mithaben, ist eine Spur zu klein, die ist eher fuer Wind ab 20 Knoten praktisch. Also waren wir die ersten Tage mit Probieren der richtigen Segelflaeche beschaeftigt. Genua raus, Genua rein, Fock rauf, Fock runter, usw…. Das Gross fahren wir konstant, entweder im 1. oder 2. Reff. Zumindest ist uns gerade nicht langweilig, wir haben gut zu tun. Gnaedigerweise betraegt die Wellenhoehe max. 2 m und so trauen wir uns jetzt taeglich ein bisschen mehr Segelflaeche zu. Wie gesagt, wir muessen uns erst wieder an diesen Kurs gewoehnen. Zu langsam wollen wir aber auch nicht sein.

Es ist auch ziemlich erstaunlich, wie gut wir fuer unsere Verhaeltnisse nach Norden fahren koennen. Oft konnten wir 340 – 350 Grad anlegen. Heute kommt der Wind fast direkt aus Nord, da schaffen wir dann nicht mehr als 300 Grad. Aber damit sind wir schon zufrieden.

Gestern hat endlich wieder einmal ein richtiger schoener Fisch angebissen. Eigentlich hatten wir schon vorgestern einen am Haken, aber der ist uns beim Reinziehen gerade noch einmal entwischt. Aber gestern hat es dann geklappt und wir haben einen Mahi-Mahi (Goldmakrele) gefangen. Da ja unser Kuehlschrank nicht mehr funktioniert, haben wir etwas mehr als die Haelfte gleich in Glaesern eingekocht und die uebrige Portion hat fuer ein ueppiges Abendessen gereicht. Natuerlich haengt die Leine aber schon wieder raus, wir wollen mehr!

Am Heck bilden sich die ersten Entenmuscheln und wir haben einen ziemlich grossen Schwarm kleiner Fische, die sich da am Heck tummeln und uns begleiten. Und eine Begegnung der 3. Art hatten wir heute Mittag, als uns ein riesiger Mantarochen mehrere Minuten lang im Abstand von nur 2 bis 3 Metern folgte. Was fuer ein fantastischer Anblick! Fuer ein Foto hats nicht gereicht, weil sonst waere er bestimmt gleich wieder weggewesen. Das geht uns immer so, also lieber beobachten und sich am Augenblick erfreuen!