Tag 19: St. Helena – Azoren

Letzten Samstag um 20.10 Uhr war es dann soweit. Wir sind zum vierten Mal über den Äquator gefahren und sind jetzt wieder auf der Nordhalbkugel unterwegs. Dieter von der SY Orion hatte uns dazu eine Flasche Sekt geschenkt und uns auch einen Gruß hinterlassen: “Herlich Willkommen auf der richtigen Seite unserer schönen Kugel, ihr seid fast zu Hause!” Dazu noch ein feines Abendessen, Musik aus der Karibik, Fiji, Mauritius und den Kapverden, eine sternenklare Nacht, eine Schwache Brise aus Südost und keine Welle. Es war schon fast kitschig schön und wir feierten mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ein bisschen Wehmut war schon auch mit dabei, als wir so an die Zeit im Südpazifik dachten. Aber wir freuen uns auch schon wieder auf daheim, keine Sorge.

Bis 3 Grad Nord konnten wir noch ganz gut segeln, aber seit ein paar Tagen sitzen wir nun in den Doldrums. Wenig bis kein Wind, Squalls mit Winddrehern, Böen und Regenschauern, ein wolkenverhangener Himmel und extrem hohe Luftfeuchtigkeit. Gestern und heute hatten wir dann mal für ein paar Stunden den Motor angeworfen, um bei Nullwind aus dem ärgsten Regen wieder rauszukommen.

Wir sind mitterlweile schon bei 5 Grad Nord angekommen und haben tatsächlich schon NE-Wind. Noch sehr schwach, mehr als 2,5 Knoten Fahrt sind im Moment nicht drin. Aber wir fahren wenigstens in die richtige Richtung und laut Gribfiles sollten wir ab 6 Grad Nord auf konstanteren Wind treffen.

Die letzten 8 Tage hatten wir übrigens kein einziges anderes Schiff gesehen, dafür kam es dann gestern Nacht gleich ganz dick. Zwei große Dampfer gleichzeitig, einer backbord, der andere steuerbord von uns, als sich gerade die Regenschleier des letzten Squalls verzogen hatten. Natürlich mitten in der Nacht. Und heute hat uns über mehrere Stunden ein großer Schleppverband auf Trab gehalten. Eine Ölplattform wurde mit einer Geschwindigkeit von 3 Knoten nach Nordosten gezogen, natürlich genau in unsere Richtung. Der Abstand betrug aber letzendlich doch noch 0,7 Seemeilen. Ein imposantes Gefährt, so ne Bohrinsel.Letzten Samstag um 20.10 Uhr war es dann soweit. Wir sind zum vierten Mal über den Äquator gefahren und sind jetzt wieder auf der Nordhalbkugel unterwegs. Dieter von der SY Orion hatte uns dazu eine Flasche Sekt geschenkt und uns auch einen Gruß hinterlassen: “Herlich Willkommen auf der richtigen Seite unserer schönen Kugel, ihr seid fast zu Hause!” Dazu noch ein feines Abendessen, Musik aus der Karibik, Fiji, Mauritius und den Kapverden, eine sternenklare Nacht, eine Schwache Brise aus Südost und keine Welle. Es war schon fast kitschig schön und wir feierten mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ein bisschen Wehmut war schon auch mit dabei, als wir so an die Zeit im Südpazifik dachten. Aber wir freuen uns auch schon wieder auf daheim, keine Sorge.

Bis 3 Grad Nord konnten wir noch ganz gut segeln, aber seit ein paar Tagen sitzen wir nun in den Doldrums. Wenig bis kein Wind, Squalls mit Winddrehern, Böen und Regenschauern, ein wolkenverhangener Himmel und extrem hohe Luftfeuchtigkeit. Gestern und heute hatten wir dann mal für ein paar Stunden den Motor angeworfen, um bei Nullwind aus dem ärgsten Regen wieder rauszukommen.

Wir sind mitterlweile schon bei 5 Grad Nord angekommen und haben tatsächlich schon NE-Wind. Noch sehr schwach, mehr als 2,5 Knoten Fahrt sind im Moment nicht drin. Aber wir fahren wenigstens in die richtige Richtung und laut Gribfiles sollten wir ab 6 Grad Nord auf konstanteren Wind treffen.

Die letzten 8 Tage hatten wir übrigens kein einziges anderes Schiff gesehen, dafür kam es dann gestern Nacht gleich ganz dick. Zwei große Dampfer gleichzeitig, einer backbord, der andere steuerbord von uns, als sich gerade die Regenschleier des letzten Squalls verzogen hatten. Natürlich mitten in der Nacht. Und heute hat uns über mehrere Stunden ein großer Schleppverband auf Trab gehalten. Eine Ölplattform wurde mit einer Geschwindigkeit von 3 Knoten nach Nordosten gezogen, natürlich genau in unsere Richtung. Der Abstand betrug aber letzendlich doch noch 0,7 Seemeilen. Ein imposantes Gefährt, so ne Bohrinsel.

Tag 13: St. Helena – Azoren

Seit vorgestern haben wir das Groß mit oben, da der Wind jetzt doch etwas schwächer wird. Wir kommen trotz allem noch gut voran und der Äquator ist nur noch ca. 110 Meilen entfernt. Wenn alles gut geht, werden wir morgen oder übermorgen wieder auf der Nordhalbkugel sein.

In der letzten Woche haben wir dann tatsächlich auch mal andere Schiffe gesehen. Ein Containerschiff in 8 Meilen Entfernung und zwei Fischer. Die Fischer waren aber so weit weg, dass wir nur den Widerschein ihrer Arbeitsbeleuchtung am Horizont sahen. Es ist also nicht viel los auf unserer Route.

Wir genießen das gemütliche Segeln und sind schon gespannt, wie das Wetter nach dem Äquator aussieht. Die Flautenzone liegt laut Vorhersage ca. zwischen 2 – 5 Grad Nord. Ab 5 Grad Nord sollte dann der NE-Passat leicht einsetzen.

Mit dem Versenden unserer E-mails haben wir gerade etwas Probleme, dh es geht nur sehr langsam, da der Server aus Südafrika schon 3.000 Meilen entfernt ist und uns der nächste Server auf Gran Canaria noch nicht hört. Wenn ihr also in den nächsten Tagen nichts mehr von uns hören solltet, keine Sorge – es liegt dann wohl nur an der Funkanlage. Wenn wir weiter nach Norden kommen, sollte sich das Problem aber wieder legen.

Aktuelle Position am 22.05.2014, 16:27 UTC:
01 41.302 Süd
024 24.438 West

Tag 10: St. Helena – Azoren

Nachdem eine Überfahrt im Passatgürtel nicht soooo wahnsinnig abwechslungsreich ist, was das Seglerische angeht, vertreiben wir uns die Zeit z. B. mit bloggen. Was haben die Leute nur früher ohne E-mail gemacht?

Ein typischer Tagesablauf während einer langen Überfahrt sieht bei uns ungefähr so aus:
Um sechs Uhr weckt einen die beste Ehefrau von allen auf. Sie hat seit ca. ein Uhr nachts Wache und will wieder schlafen gehen. Klar. Wir wechseln die Kojen. Im Salon wartet Lesestoff. Alle halbe Stunde ein Rundumblick. Falls Schiffe zu sehen sind, entsprechend kürzere Intervalle. Dabei wird immer ein Blick auf das GPS und AIS geworfen. Stimmen Kurs und Geschwindigkeit noch oder gab es einen Winddreher, gibt es Squalls am Horizont, muss man reffen? Falls ja, dann werden die entsprechenden Maßnahmen ergriffen.

Nach dem ersten Mal Ausguck gehen, meist ist ja nix, gibt es erstmal eine Tasse Instant Kaffee im Isobecher mit Deckel. Für richtigen Kaffee ist unsere Kaffeekanne zu wenig standfest. Eigentlich ist es mit Deckel viel zu heiß, aber wenn die Tasse rumkullert, dann läuft nicht sofort der ganze Kaffee aus (aus Fehlern wird man…). Hm, so langsam dämmert der Morgen, meist sind gerade dann die besten Funkbedingungen. Also kurz den Rechner hochgefahren und e-mails checken. Je nach Ausbreitungsbedingungen und Mailaufkommen dauert das so 10 Minuten bis eine halbe Stunde. Gleichzeitig wird der aktuelle Grib-File runtergeladen. Wieder Rundumblick. Der erste Hunger nagt, Frühstueck. Mal ein Käsebrot, mal eine Eierspeise; wenn Christine grade kein Brot gebacken hat, dann auch gerne nur Müsli. Gibt es ein warmes Frühstueck, dann kommt Christine nochmal raus und isst mit.

Zeit für die Funkrunde. Mit den Segelkollegen von der Aspasia 2 und der Green Coral wird täglich gefunkt. Neben Wetter und Schiffsposition erzählt man sich die besonderen Vorkommnisse seit dem Vortag. Hat jemand nachts ein Berufsschiff gesichtet? Wer hatte schon einen Fisch an der Angel? Kurz vor den Doldrums ist natürlich auch immer die Routenwahl ein Thema. Kreuzt man den Äquator mehr im Osten oder doch lieber erst nach 25 Grad West? Üblicherweise ist man nach ca. 10 Minuten fertig. Wieder auf die Couch – das Buch wartet. Mit einem Ohr ist man immer “beim Boot”. Hat sich wieder der Anker vorne losgekloettert? Ist irgendwo ein Kanister aus seiner Lasching gerutscht? Stimmen Kurs und Geschwindigkeit? Nimmt der Wind zu?

Irgendwann fällt einem dann siedendheiß ein, dass die Angel noch nicht ausgebracht ist. Schwuppdiwupp, schon baumelt hinter der Thor die Schleppleine. Bisher waren wir mit unserem Mini-Doradenbaby die erfolgreichsten Fischer der Funkrunde. Wahrscheinlich sind wir allesamt für die Jungs einfach zu langsam unterwegs. Im Schnitt unter 5 Knoten – da merken die Fische doch gleich, wenn der Octopus nur aus Gummi ist.

Um die Mittagszeit wird Logbuch geschrieben und die aktuelle Posi in die Seekarte eingetragen. Ungefähr alle zwei Tage gibt es dann eine Salzwasserdusche mit der Pütz auf dem Seitendeck. Einmal die Woche spülen wir uns danach mit Süßwasser ab. Wir haben nur sehr begrenzte Wasservorräte und versuchen mit ca. 5 Litern Süßwasser täglich für uns beide auszukommen. Klappt ganz gut.

Kurz danach haue ich mich dann meist noch ein/zwei Stündchen aufs Ohr. Christine passt auf.

Gegen 16.00 Uhr trifft man sich dann im Cockpit zum Sundowner. Das ist dann so der gesellige Teil des Tages. Man bespricht was gerade anliegt, oder einem sonst so im Kopf herumschwirrt. Der letzte Roman, Salatbuffets, frisches Gemüse, Afrika, Politik. Immer öfter tritt auch die Frage auf, wo wir wieder einen Job finden werden und wie die neue Wohnung aussehen sollte.

Kurz danach wird Abendessen gebrutzelt.

Mit dem Sonnenuntergang ist dann Christine wieder bettreif und ich übernehme die erste Wache – bis so um 12.00 – 01.00 Uhr.

Autor: Christian

Tag 6: St. Helena – Azoren

Nachdem wir mit dem Kurs der letzten Tage genau auf die Insel Ascension zugefahren wären, mussten wir heute zum ersten Mal seit 6 Tagen etwas an der Segelstellung ändern. Und zwar haben wir vom Backbordbug auf den Steuerbordbug gewechselt. Wir fahren seit wir aus St. Helena abgelegt sind, mit ausgebaumter Genua. Mal müssen wir etwas reffen, dann wieder ausreffen, aber das wars dann auch schon. Wir freuen uns aber sehr über die ruhigen Bedingungen. Die Wellenhöhe beträgt um die 2 m, wir hatten noch keinen einzigen Regentropfen und der Wind bläst mit ca. 15 Knoten aus Südost. In den letzten 6 Tagen sind wir auch noch keinem anderen Schiff begegnet. Wir genießen also die Ruhe.

Vorgestern haben wir eine kleine Goldmakrele gefangen, die genau die richtige Größe für unsere Pfanne und ein Abendessen hatte. Nachdem wir ja seit Südafrika keinen Kühlschrank mehr haben, hat uns das ausgezeichnet in den Plan gepasst. Das nächste Mal dürfte der Fisch schon etwas größer sein. Er darf ruhig für zwei Tage reichen und deshalb probieren wir weiterhin unser Anglerglück. Im Moment haben wir als Köder einen orange-gelben Fisch mit zwei Haken dran, der vorne mit so einer Plastikplatte versehen ist, damit er auch schön nach unten taucht. Vielleicht probieren wir morgen mal den rosa Oktopus aus.

Das Gemüse aus Südafrika hält sich noch ganz gut, wir haben aus Port Owen und Namibia noch Zwiebeln, Kartoffel, Weißkraut, Zitronen, Äpfel und Orangen an Bord. Heute musste ich einen der Krautköpfe über Bord werfen, weil er leider verfault und schimmlig geworden ist, aber der Rest schaut noch gut aus. Die frischen Sachen aus St. Helena waren sehr unterschiedlicher Qualität. Die grünen Paprika mussten wir schon am nächsten Tage alle entsorgen. Sie waren innen voller Raupen und fingen schnell zu Faulen an. Garantiert ungespritztes Gemüse, super! Die Tomaten und Salatgurken hingegen sind noch top in Ordnung und schmecken klasse. Wird auch noch ein paar Tage reichen. Im Moment lasse ich grad den Teig für ein Vollkornbrot mit Kürbiskernen gehen und da der Ofen dann eh schon an ist, gibt’s zum Abendessen Pizza.

Für alle, die sich übrigens etwas näher für Südafrika interessieren, hab ich einen super Buchtipp: “Long walk to Freedom” von Nelson Mandela.

Und Christian hat grad ein neues Computerspiel für sich entdeckt: “0 A.D.” – ein real time strategy Spiel. Scheint recht spannend zu sein, weil er stundenlang damit beschäftigt ist.

Morgen in der Nacht werden wir Ascension passieren, das ist noch ca. 140 Meilen entfernt und vom Äquator trennen uns derzeit noch 940 Meilen.

Alles bestens an Bord der Thor. Leider können wir unterwegs die Kommentare auf unserem Blog nicht lesen, wir freuen uns aber jederzeit über Mails auf unsere Winlink.org-Adresse mit dem Rufzeichen DL3ZFC.

Tag 3: St. Helena – Azoren

Unser Aufenthalt auf St. Helena war kurz, hat sich aber auf alle Fälle gelohnt. Wir konnten das Inselinnere bei einer Tagestour mit den Crews von Aspasia und Orion erkunden und waren überrascht, wie grün diese Insel doch ist. Saftige Weiden für die ca. 1.500 Rinder auf der Insel lassen einen an Almen in Österreich denken. Und die historischen Stätten, in denen Napoleon Bonaparte von 1815 bis 1821 als Gefangener im Exil gelebt hat, waren auch wirklich sehenswert.

Als eine Attraktion der Inseltouren wird im Moment auch noch die Baustelle des für 2016 in Betrieb gehenden Flughafens angeboten. Eine spektakuläre Start- und Landebahn, die direkt an steilen Hängen ins Meer beginnt und endet. Da bleibt dann kein Platz für Fehler. Für die rund 4.500 Einwohner der Insel wird die Flugverbindung schon eine wesentliche Erleichterung sein, auch wenn vorerst nur ein Flug pro Woche geplant ist. Derzeit muss man bei Krankheitsfällen mit dem Schiff entweder nach Kapstadt oder Ascension und von dort weiter mit dem Flugzeug und da ist man mindestens 5 Tage unterwegs. In manchen Fällen wird sogar ein vorbeikommendes Containerschiff aufgehalten um die Patienten aufs Festland zu bringen. Es gibt zwar ein kleines Krankenhaus mit 54 Betten und 6 Ärzten auf der Insel, aber dort ist man eben auch nicht mit modernsten Geräten ausgestattet.

Ob durch den Flughafen viel mehr Touristen kommen werden, bleibt abzuwarten. Das hält zum Glück auch noch einige Investoren ab, mit dem Bau eines 5-Sterne-Hotels mit 18-Loch Golfplatz zu beginnen. Uns wurde der geplante Standort gezeigt. Wo heute noch ein einzelner Bauernhof inmitten eines Märchentals liegt, soll bald das Hotel und der Golfplatz entstehen. Die Inselbewohner finden das natürlich klasse, weil so Arbeitsplätze geschaffen werden, aber wir sind da eher skeptisch. Wie sich die Insel wohl in den nächsten 10 Jahren verändern wird? Oder kann sie ihren ursprünglichen Charme weiterbehalten?

Wir nutzten auch die Gelegenheit uns noch einmal mit frischem Gemüse einzudecken und unsere Wassertanks aufzufüllen. Leider mussten wir feststellen, dass unsere flexiblen Wassertanks, die wir bei so langen Überfahrten zusätzlich am Achterdeck fahren und die ca. 80 l fassen, völlig zerlöchert sind. Trotz mehrmaligen Klebens gab es immer noch irgendwo viele kleine undichte Stellen. Zum Glück hatte Dieter von der Orion noch 4 20l-Kanister übrig, die er nicht mehr braucht und so sollte die Wasserversorgung bis zu den Azoren sicher sein. Klar, wenn wir Squalls mit viel Regen erwischen, werden wir auch versuchen, Wasser aufzufangen aber wir wollen uns halt nicht komplett darauf verlassen.

Dann wurden noch einige Ladungen Wäsche an Deck gewaschen und am Samstag morgen ging es dann los. Wir konnten auch noch die RMS St. Helena beim Einlaufen beobachten, die alle 12 Tage in St. Helena Halt macht. Eines von nur noch zwei Booten weltweit, die sich Royal Mail Ship nennen dürfen.

Die Fahrt bisher war sehr angenehm. Stetiger Passatwind, wir fahren mit ausgebaumter Genua ca. 4,5 Knoten und versuchen uns wieder an den Segelrhythmus anzupassen. Schwierig zu sagen, wieviele Meilen wir noch vor uns haben. Direkte Luftlinie zu den Azoren wären es 3.400 Seemeilen von St. Helena. Das ist aber für unser Boot illusorisch, so hoch am Wind können wir nicht segeln. Wir haben vor, den Äquator bei 25 Grad West zu kreuzen und dann so gut wie möglich nach Norden zu kommen. Also kann man zu den 3.400 Meilen schon mal locker 1.500 Meilen dazurechnen. Werden wir es unter 50 Tagen schaffen? Das ist die große Wette auf der Thor, wir sind schon gespannt! Ich glaube ja, dass wir 53 Tage brauchen werden (ohne das irgendwie berechnet zu haben), Christian schätzt, dass wir knapp unter 50 Tagen bleiben. Es wird aber bestimmt unsere längste Überfahrt bisher auf der Reise. Von Panama zu den Marquesas haben wir übrigens 47 Tage gebraucht, das waren ca. 4200 Meilen.

Aktuelle Position (11.05.2015, 9.30 UTC):
13 31.038 S
008 11.891 W

Ankunft auf St. Helena

Gestern war es also dann geschafft. Ein Fuenftel der Strecke von Namibia bis zu den Azoren liegt hinter uns. Mit Sonnenschein und sehr schwachem Wind am Morgen kamen wir auf St. Helena an. Schon aus 30 Meilen Entfernung konnten wir die Insel in der Nacht ausmachen. Zu unserer Ueberraschung wurden wir auch gleich vom Hafenmeister aufgefordert zum Einklarieren an Land zu kommen. Neben uns waren an diesem Morgen noch zwei andere Boote angekommen. Kaum waren die Leinen an der Mooring festgemacht, wartete schon das Wassertaxi auf uns. Einklarieren am Sonntag ohne Ueberstundenzuschlaege war schon sehr angenehm und der erste Eindruck von der Insel ist sehr positiv. Die Menschen begruessen einen sehr herzlich, laecheln und freuen sich, dass wir den weiten Weg zu dieser wirklich sehr abgelegenen Insel mitten im Suedatlantik auf uns genommen haben.

Dieter von der Orion, der schon am Mittwoch angekommen war, drueckte uns erstmal 20 Pfund in die Hand, schliesslich waren die Banken Sonntags zu und es gibt hier keinen Geldautomaten.

Susi und Ingolf von der Aspasia 2, die ein paar Stunden vor uns angekommen waren, warteten schon an Land auf uns und so gab es nach den Einklarierungsformalitaeten ein gemuetliches Ankommensbier in der einzigen Kneipe, die am fruehen Sonntag Nachmittag am Dorfplatz offen hatte. Ein super Landfall.

Wir brauchten fuer die 1400 Meilen ganz genau 13 Tage, was aber fuer unsere Bootsgroesse voellig in Ordnung ist. Wir hatten uns auch vorgenommen, so materialschonend wie moeglich unterwegs zu sein und so wurde auch sehr frueh und ausgiebig gerefft. Schliesslich haben wir quasi einen Marathon vor uns und keinen Sprint!

Abschied von Afrika

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nahmen wir Abschied vom südlichen Afrika. Wir verlebten insgesamt vier wirklich spannende Monate dort. Kaum eine Gegend hat uns so sehr beeindruckt wie Südafrika und Namibia.

Zuerst war da Südafrika. Ein von der Geschichte gebeuteltes Land mit vielen – durchaus hausgemachten – Problemen. Das Land leidet weder an Überbevölkerung, noch mangelndem Reichtum. Platz ist da in Hülle und Fülle, Bodenschätze gibt es ohne Ende. Die Landschaften, Flora und Fauna sind eine Augenweide.

Trotzdem lebt ein Großteil der Bevölkerung in bitterer Armut. Von dem Reichtum des Landes bekommen sie nichts ab. Einmal kam in der Tuzi Gazi Marina in Richards Bay der schwarze “Boatcleaner” auf uns zu. Er verdingte sich dort als Tagelöhner. Für 10 Euro pro Tag wienert er einem das Boot blank. Angestellte in der Landwirtschaft verdienen noch deutlich weniger. Für das gleiche Geld bekommt man in einem normalen südafrikanischen Restaurant ein Wiener Schnitzel mit ein, zwei Bierchen.

Er fragte, ob wir ihm nicht unsere drei T- Shirts geben könnten, die wir als UV- Schutz über unsere Wasserkanister gezogen hatten und die bei uns seit über einem Jahr an Deck gefahren wurden. Mittlerweile waren diese völlig verschlissen und mit zahlreichen Chlorbleichespritzern völlig verfärbt. Er meinte er würde die T- Shirts gerne noch tragen. Diese Lumpen überhaupt noch als Kleidungsstücke anzusehen, wäre uns niemals in den Sinn gekommen.

Im Vergleich dazu verdient ein weisser südafrikanischer Handwerker so die üblichen 25 Euro – pro Stunde wohlgemerkt.

Die Apartheid ist auch nach 20 Jahren noch überall spürbar. Die sozialen Spannungen führen zu einem unheimlichen Anstieg der Kriminalitätsrate – gerade auch bei Gewaltverbrechen. Der einzige Ausweg wäre eine gerechtere Verteilung des Wohlstandes. Aber da gerade die schwarze Bevölkerung nur eine geringe bis überhaupt keine Schulbildung geniesst, wird sich am derzeitigen Zustand kaum etwas ändern. Der offensichtlich sehr korrupten Regierung kommt der derzeitige Zustand sehr zu pass. Ungebildete Bürger lassen sich nun mal leichter verarschen als Gebildete, gegen die Kriminellen kann man sich ja Privatfestungen bauen (googlet mal “Zuma mansion”).

Die Zukunftsaussichten für das Land sind düster, wir hatten eigentlich ständig das Gefühl, in einem Pulverfass zu sitzen, das bald hochgehen wird.

Vereinzelt gibt es Lichtblicke. Hier und da sieht man Leute, die sich in die noch dünne Mittelschicht hochgearbeitet haben, auch bei einigen wenigen Weissen bemerkt man ein Umdenken. Anscheinend brauchen diese Veränderungen mehr Zeit als wir uns vor der Ankunft vorgestellt hatten. Es scheint als wäre man selbst nach 20 Jahren nach dem Ende der Apartheid erst am Anfang des Weges. Ich hoffe mal, dass die stellenweisen Entwicklungen zum Positiven irgendwann die zum Negativen aufholen werden.

Zu Namibia können wir im Vergleich nur recht wenig berichten, waren wir doch nur drei Wochen im Land und hauptsächlich in dem recht abgeschiedenen, etwas verschlafenenen Nest Lüderitz. Da will und kann man sich einfach kein Urteil erlauben.

Aktuell befinden wir uns auf halber Strecke nach St. Helena. Eine Insel direkt auf dem mittelatlantischen Rücken. Die Überfahrt verlief bisher sehr ruhig und komfortabel. Man merkt dass wir wieder in die Passatwindzone kommen. Keine Tiefs mehr, die ständig durchziehen und zweimal die Woche neues Wetter bringen. Die atmosphärischen Bedingungen werden im Wesentlichen vom südatlantischen Hoch bestimmt. Das ist das südliche Pendant zum Azorenhoch. Hoffen wir einmal dass das Wetter erst mal so bleibt.

Zu Zeiten der Windjammer war St. Helena ein beliebter Zwischenstopp um Frischwasser und Vorräte aufzunehmen. Heute, im Zeitalter der Containerschiffe mit Schwerölantrieb, hat es arg von seiner ursprünglichen Bedeutung eingebüßt. Wir werden berichten.

Autor: Christian

508 sm bis St. Helena

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