Urlaubslektüre

Vor zwei Jahren im Winterlager bekamen wir Besuch von Kristina Müller, Autorin und Journalistin bei der Segelzeitschrift Yacht. Sie wollte ein Buch über deutsche Weltumsegler schreiben und überraschenderweise fiel die Wahl auch auf uns. Nach vielen E-Mails und Telefonaten dann endlich das erste persönliche Treffen.

Bei kaltem Ostseewind und der Thor noch hoch und trocken im Winterlager machten wir es uns im angrenzenden Café neben der Werft gemütlich und verbrachten einige sehr schöne Stunden. Nach der Sperrstunde ging es in der Pizzeria im Nachbarort weiter, wir hatten ja noch so viel zu erzählen. Die Zeit schien fast nicht zu reichen, irgendwie sprudelte es nur so aus uns heraus. Endlich mal wieder mit jemandem reden, der etwas vom Segeln versteht und sich ein bisschen in unsere Gedankenwelt hinein versetzen kann.

Vieles blieb trotzdem unerzählt – wie kann man auch nur in wenigen Stunden die letzten vier Jahre seines Lebens beschreiben.  Das Interview hatte aber etwas ausgelöst: das Erzählen von unserer Reise brachte uns den Traumzielen im Pazifik wieder näher. Viele Details, die durch die hektische Ankunft in Deutschland verdrängt wurden, tauchten plötzlich wieder auf und da war es wieder: das schier unheilbare Fernweh.

Kristina bringt es auf den Punkt: „Jede Weltumsegelung ist eine Liebesgeschichte. Erzählt von Männern und Meeren, von Frauen und Freiheit. Und von der Verwirklichung lang gehegter Träume. Vor diesen Geschichten sei gewarnt. Sie können akutes Fernweh auslösen und Reisefieber verursachen, bis hin zu dem drängenden Verlangen, jetzt, gleich und hier alles stehen und liegen zu lassen, auf ein Boot zu steigen und davon zu segeln.“

Nun ist das Buch im Handel erschienen und neben unserer Geschichte erzählen noch 11 andere Weltumsegler von ihren Reisen.

Link zum Buch 

Wenn ihr das Buch über diesen Link bestellt, bekommen wir eine ganz kleine Provision, danke!

Freiheit auf Zeit - Weltumsegler erzählen (3)

Foto: Kristina Müller

Wer also Lust auf Geschichten aus fernen fremden Ländern hat und noch ein Buch für den Sommerurlaub sucht, wird hier fündig, viel Vergnügen damit und nochmals herzlichen Dank an Kristina!

Wir sind inzwischen wieder so weit, dass wir über neue Ausrüstungsgegenstände diskutieren, die Wartungs-/Reparaturliste der Thor nach und nach abarbeiten und über verrückte und nicht so verrückte Reiseziele reden. Unser Blog wurde von ein paar Monaten wieder zum Leben erweckt, wir machen ab und zu ein paar Vorträge über unsere Reise und am Horizont rückt die nächste „Freiheit auf Zeit“ wieder ein bisschen näher.

 

 

Geschichtenerzähler

Nach einer langen Sendepause von uns gibt es die Geschichten rund um die THOR jetzt live zu hören: diesmal in Donnersbachwald (AUT), am 05.05.2017, 20:00 Uhr

Nächste Termine folgen und wir hoffen, unseren Blog wieder etwas aufleben zu lassen – stay tuned!

Einladung DBW

Wieder daheim

Viel Zeit ist vergangen seit dem letzten Blogeintrag. Viel ist passiert, der deutsche Alltag hat uns wieder fest im Griff – deshalb wird dies hier nun auch wahrscheinlich etwas länger. Im letzten Blogeintrag sind wir im Nord-Ostsee-Kanal rumgeschippert. Nachdem sich dann die Schleuse auf der Kieler Seite geöffnet hatte, wurde uns in der Förde von den Schiffen Tutunui, Röde Orm und der Hitch Hike Heidi ein grandioser Empfang bereitet. In Flottillenfahrt ging es dann Richtung Wendtorf. Familie, Freunde, Sekt, Zeitungsreporterin – das ganze Tamtam. Das Ganze ist dann in einem schönen Grillabend am Parkplatz ausgeklungen. Am Wochenende drauf gab es dann nochmal eine Grillparty in der Marina mit weiteren Freunden. Lauter alte und nicht so alte Bekannte. Grandios. Hier nochmal vielen herzlichen Dank an alle Beteiligten. Wir haben uns riesig über euer Kommen gefreut und hatten eine tolle Zeit.

Nach so zweieinhalb Wochen war es dann soweit. Wir nahmen Abschied von der Thor und fuhren runter in den Süden – Freunde und Verwandte besuchen. So schön es auch war, alle wieder zu sehen, stellte sich doch auch ein wenig Katzenjammer ein. Vom völlig selbstbestimmten Leben auf See, zurück, als Gast, in den elterlichen Haushalt. Die elterliche Gastfreundschaft war natürlich fantastisch und kannte keine Grenzen. Es fehlte uns an nichts, außer eben die gerade erst aufgegebene, fast völlige Unabhängigkeit. Die Lösung für uns war natürlich sehr archaisch – Auto kaufen und wieder nach Hause auf die Thor – Fluchtreflex.

Wieder auf der Thor ging es dann daran, die Thor auf das Winterlager vorzubereiten. Ein Winterliegeplatz musste gefunden werden, an Deck wurde mit den ersten Arbeiten begonnen. Nebenbei wurde Arbeit gesucht. Stellenangebote wälzen, Bewerbungen schreiben, Bewerbungsgespräche hier und da. Fragen, ob wir uns nun im Norden oder im Süden der Republik niederlassen sollen? Alles bleibt aber sehr nebulös. Normalerweise hat man ja wenigsten einen Fixpunkt – einen Job oder eine Wohnung – wir hatten nichts und schwebten sozusagen im luftleeren Raum. Letzten Endes wurde uns die Entscheidung etwas von der Tatsache abgenommen, dass ich sozusagen meinen alten Job bei meinem letzten Arbeitgeber wieder bekam. Danach ging es Schlag auf Schlag, Thor aus dem Wasser kranen, und vor dem Winter die gröbsten Arbeiten ausführen. Wohnung suchen, finden und einziehen. Gebrauchte Küche in Salzburg abbauen und dann in der Wohnung wieder aufstellen (Was soll eigentlich die Unsitte die Küche beim Einzug anschaffen zu müssen? Schließlich ist das ja immer mehr oder weniger eine Maßanfertigung für den jeweiligen Raum. In anderen Ländern gehört die Küche zur Wohnung wie bei uns die Heizkörper – viel stressfreier diese Lösung.)

In Cuxhaven wurden wir dann noch von unserem Segelverein (Trans Ocean) bei einer sehr gediegenen Jahreshauptversammlung mit dem Weltumseglerpreis und dem Preis der Stadt Cuxhaven geehrt- coolo. Innerhalb von drei Monaten fahren wir auf unsere neue/alte Karre 10.000 km drauf. Wir verbrauchen in der Zeit gut zweieinhalb Mal soviel Sprit wie von Panama nach Neuseeland. Anscheinend sind wir schon wieder ganz im mitteleuropäischen Lebensstil angekommen. Manchmal fühlt es sich fast so an, als ob wir gar nicht weg gewesen wären. Einmal haben wir an vier verschiedenen Tagen in vier verschiedenen Betten geschlafen. Auch hier an alle Beteiligten ein herzliches Dankeschön für eure Gastfreundschaft. Langweilig wurde es uns jedenfalls nicht.

Seit Anfang Dezember jedenfalls stehe ich wieder in Lohn und Brot, der Berufseinstieg gelang viel besser als erwartet. Christine ist noch fleißig auf Jobsuche.

Was wird aus der Thor:
Von unserem anfänglichen Plan, sie bei Ankunft zu verkaufen, sind wir wieder abgerückt. Der Gebrauchtbootsmarkt ist im Moment überschwemmt mit Booten und für die heimischen Küstenreviere ist die Thor auch heillos überdimensioniert. Wer ein Boot braucht um mal am Wochenende eben rüber nach Dänemark zu flitzen, ist bei der Thor falsch aufgehoben. Die Thor ist und bleibt ein Boot für die lange Fahrt. Ultrastabil gebaut kann sie alles ab was auf offener See auf sie zukommt. Wir wissen das, denn wir haben es ausprobiert! Leider ist die Anzahl der Käufer für solche Boote nochmals kleiner. Der zu erzielende Preis ist jedenfalls weit unter dem, was wir bisher in sie reingesteckt haben und so bleibt die Thor nun erst einmal in Familienbesitz. Ein besseres Boot wie die Thor finden wir, wenn es in einigen Jahren wieder losgehen sollte, sowieso nicht. Die Weltkarte ist schon mal überm Esstisch positioniert, sodass wir unsere Pläne nicht aus den Augen verlieren.

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Jetzt noch an Schnee und Kälte gewöhnen, dann wird das schon wieder. Zu Weihnachten war das jedenfalls schon sehr stimmig, wie wir finden, obwohl sich der Schnee erst eine Woche später eingestellt hat. Auch mal eine nette Abwechslung zur Tropenhitze am Heiligabend. Wir wünschen euch allen ein gutes neues Jahr und sind schon gespannt, was 2016 für uns bereit hält.

Thor im NOK

Eine Woche in Salcombe war recht erholsam, aber sobald der Wind passte, machten wir uns auch schon auf den Weg weiter Richtung Osten. Bis Dover kamen wir auch sehr gut voran, dann war aber der Wind weg. Also eine Nacht Pause eingelegt und ein bisschen die Stadt erkundet. Wir dachten schon, dass es bestimmt noch länger dauern würde, bis wir wieder richtigen Wind hätten, aber ein zweiter Blick auf die gribfiles später am Abend zeigte uns plötzlich ein echt gutes Wetterfenster um vielleicht sogar bis Cuxhaven zu kommen.

Gesagt, getan. Schon am nächsten Tag ging es von Dover westlich an den Verkehrstrennungsgebieten vorbei Richtung europäisches Festland. Nördlich von Rotterdam wechselten wir dann auf die anderen Seite der Schifffahrtsstraßen. Es war unglaublich viel los und wir staunten nur so ob der Masse an Windparks und Ölplattformen in Küstennähe. Der Wind war eher etwas zu schwach und der Motor musste ca. 30 Stunden laufen, bis wir endlich in Cuxhaven ankamen. Aber besser so, als Sturm auf der Nordsee, lautete unsere Devise.

Letzten Freitag erreichten wir dann Cuxhaven um 4.30 Uhr am Morgen und erholten uns erst mal wieder ein bisschen. Zwar hatte die Fahrt von England nur 3,5 Tage gedauert, aber es war schon anstrengend mit dem vielen Berufsverkehr und teilweise schlechter Sicht im Nieselregen.

In Cuxhaven trafen wir dann Petra, die Hafenmeisterin, die tatsächlich schon seit längerer Zeit unseren Blog verfolgt hatte. Was für eine nette Überraschung! Und dann war da auch noch die Segeljacht Josi mit Jürgen und Ingrid, die gerade von ihrer 23-jährigen Reise und zwei Weltumsegelungen zurück nach Deutschland gekommen sind. Mit ihnen haben wir auch einen sehr netten Abend verbracht und die schönsten Plätze unserer jeweiligen Reisen Revue passieren lassen. Ist es wirklich schon bald aus?
Der Oberhammer war dann als Tim und Laura von der Kira plötzlich am Steg standen. Sie hatten unseren Positionsreport verfolgt und sind dann spontan nach Cuxhaven gekommen. Super!

Wettertechnisch sah es für die kommenden Tage nicht gut aus, aber wir haben dann gestern tatsächlich eine kleine Wetterlücke nutzen können um wenigstens bis Brunsbüttel und in den NOK (Nordostseekanal) zu kommen. Die Nordsee liegt nun hinter uns. Puha, kein einfaches Segelrevier. Wir konnten unser Glück kaum fassen, dass wir sofort bei der Ankunft in Brunsbüttel als einzige Yacht zusammen mit einem kleinen Tanker und einem Schleppkahn geschleust wurden. Ging alles silky smooth und schon um 19 Uhr lagen wir im Päckchen im Minihafen von Brunsbüttel fest.

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Heute geht es dann weiter Richtung Rendsburg und morgen wollen wir in Wendtorf ankommen. Mal sehen, ob das so klappt. Für heute ist starker Wind angesagt, aber für uns eigentlich aus einer günstigen Richtung und hier im „Binnengewässer“ sollte das zu schaffen sein. Müssen nur noch warten, bis das Boot hinter uns weg ist, wir sind sozusagen „eingeparkt“.

Fajal – England

Fajal – England

Eigentlich sind es nur 1250 Meilen gewesen. Eigentlich fanden „alle“, die wir vorher gesprochen hatten, dass diese Strecke mit dem Azorenhoch im Süden und den Tiefs oben bei Island seinerzeit eine tolle Überfahrt mit Backsstagsbrise war.

Nix da. Das Azorenhoch tummelte sich irgendwo auf Höhe der Kanaren und wir befanden uns mitten in den Tiefausläufern. Insgesamt sechs Tiefs haben uns auf dieser Überfahrt erwischt. Zwei davon mit Winden in Sturmstärke. Eines ging südlich von uns durch und brachte drei Tage lang Ostwind. Einfach war diese Überfahrt nicht. Als wir dann endlich im englischen Kanal angekommen waren, besserte sich das Wetter, zumindest für englische Verhältnisse deutlich. Ruhige See und sogar ab und zu ein Sonnenstrahl. Wir liefen deshalb nicht den erstbesten Hafen (Falmouth) an sondern beschlossen nach Dartmouth weiter zu fahren. Dartmouth haben wir schon auf der Hinfahrt vor 4 Jahren besucht. Uns es war uns als besonders schnuckelig in Erinnerung geblieben. Na ja, kurz vor der letzten Huk tat sich eine weitere Flußmündung auf – im Hintergrund das pittoreske Städtchen Salcombe. Auch nett und wir kennen es noch nicht. Nach kurzer Konsultation unseres alten nautischen Almanacs bogen wir schnurstracks nach dorthin ab. Ums Eck bot sich dann ein irres Bild. Es sah fast so aus, als ob es sich um den ersten Sonnentag des Jahres in England handelte und die Gesamtbevölkerung sich nun zur Sommerfrische in Salcombe Harbour eingefunden hatte. Knallvolle Strände und ein irrer Verkehr auf dem Wasser. Alles was schwimmt, wird von einem Außenborder oder Segel angetrieben, spazieren gefahren.

Bei maximal 22 Grad tummeln sich die Einheimischen hier im Bikini am Strand. Sportlich!

Salcombe selber ist ein sehr englisches Touristädtchen. So eine Art Bad Aussee Englands. Die Preise sind ebenfalls sehr britisch. Eine Halbe Bier kostet 6 Euro in der Kneipe. Na denn Prost. Auf dem Weg zum Dinghidock kommt man an einem Pontoon mit Recyclingtonnen vorbei. Ein untrüglicheres Zeichen, dass wir wieder in Europa sind, gibt es wohl nicht.

Wir liegen hier sehr geschützt an einer Besuchermooring. Da gerade Wochenende ist und Salcombe entsprechend gut besucht ist, sind alle Besuchermoorings, auch unsere, mit je vier Booten im Päckchen besetzt. Bei der Antwort auf die Frage nach dem Woher und Wohin machen die einheimischen Segler auf ihren blitzblanken GFK Yachten dann ganz große Augen. So ein bisschen Stolz kommt bei uns dann schon auf.

Fotos – von St. Helena bis Horta

Für uns geht es heute weiter Richtung Norden. Wo wir genau Landfall machen werden, wissen wir noch nicht. Das werden wir dann unterwegs abhängig vom Wetter entscheiden. Ich hab es jetzt gerade noch geschafft, die Fotos der letzten Monate hochzuladen, ein bisschen Text über Horta folgt dann vielleicht von unterwegs 😉

St. Helena im Mai 2015

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157653785639873

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Törn von St. Helena nach Faial  / Azoren – 09. Mai bis 29. Juni 2015

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157653778330404

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Horta – 29. Juni bis 20. Juli 2015

https://www.flickr.com/photos/sailingaroundtheworld/sets/72157656113506891

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